Blackbox: Qualität im ambulanten Bereich

infosantésuisse-Artikel


01.04.2017

Blackbox: Qualität im ambulanten Bereich

Der gesetzliche Auftrag ist unmissverständlich: Artikel 77 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) hält fest «Die Leistungserbringer oder deren Verbände erarbeiten Konzepte und Programme über die Anforderungen an die Qualität der Leistungen und die Förderung der Qualität». Was punkto Qualitätsstandards und -messungen seither im stationären Bereich sukzessive umgesetzt wird, geht in die richtige Richtung, kommt jedoch nicht von ungefähr: Das Gesetz über die Spitalfinanzierung (KVG, Art. 49, Abs. 1) verlangt, dass sich die Tarife an der Entschädigung jener Spitäler orientieren müssen, welche die tarifierte, obligatorisch versicherte Leistung in der notwendigen Qualität effizient und günstig erbringen. Konkret, mit Hilfe dieser auf Gesetzesebene verankerten Verknüpfung der Tarifierung mit der Messung der Ergebnisqualität konnte eine flächendeckende Qualitätsmessung im stationären Bereich durchgesetzt werden.

Gesetzlicher Auftrag nicht erfüllt

Nichtso im ambulanten Bereich. Verbindliche nationale Qualitätsstandards und -indikatoren sowie entsprechende Umsetzungsprogramme zur Durchsetzung der seit 20 Jahren verlangten Qualitätsvorgaben fehlen nach wir vor. Entsprechend gibt es auch keine Grundlage für Sanktionsmöglichkeiten, falls die gesetzlich geforderte Qualitätsarbeit ignoriert wird. Eine mehr als unbefriedigende Situation, gerade im Hinblick auf den von Experten und Bundesrat bestätigten Sachverhalt, wonach rund 20 Prozent der abgerechneten Leistungen überflüssig bis kontraproduktiv sind. Auf sie kann ohne jeden Nachteil für die Patienten verzichtet werden. Die Prämienzahlenden und die öffentliche Hand würden dadurch finanziell erheblich entlastet, die Patienten weniger belastet. Für santésuisse ist es deshalb zwingend, dass die Leistungserbringer jetzt ihre vom Gesetz geforderten Hausaufgaben machen.

Ruf nach verbindlichen, tarifrelevanten Qualitätsvorgaben

Nicht nur von Seiten der Krankenversicherer, auch in der Politik wird der Ruf nach ergebnisorientierten Qualitätsvorgaben im ambulanten Bereich immer lauter. Im Zentrum sollen verbindliche Standards stehen, die von den Tarifpartnern gemeinsam erarbeitet und anschliessend vertraglich umgesetzt werden. Sie sollen sicherstellen, dass die Leistungen in der ambulanten Gesundheitsversorgung in der notwendigen Qualität effizient und kostengünstig erbracht werden. Ein Weg, den auch die Gesundheitskommission des Nationalrats einschlagen will. Im Rahmen der von ihr überarbeiteten Qualitätsvorlage beantragt sie, dass der bereits im stationären Bereich geltende Grundsatz auch auf ambulante Behandlungen angewendet wird. Ein Vorhaben, das santésuisse unterstützt. Für den Verband ist dabei zentral, dass die fachlich-inhaltliche Qualitätsarbeit nicht von Bundesbern verordnet, sondern in die Hände der Leistungserbringer und deren Fachverbände gelegt wird. Die entsprechenden Programme sollen grundsätzlich über öffentliche Mittel finanziert werden, ohne die Prämienzahlenden zusätzlich zu belasten. (SST)

Susanne Steffen

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