Das Festbetragssystem auf dem Prüfstand

infosantésuisse-Artikel


01.06.2017

Das Festbetragssystem auf dem Prüfstand

Gefährdet die Einführung eines Festbetragssystems für Generika die Ergebnisqualität einer Behandlung? Verlieren Leistungserbringer ihre Therapiefreiheit und Patienten die Wahlfreiheit? Beeinträchtigen kostengünstige Nachahmerpräparate die Therapietreue? infosantésuisse entkräftet einige der meistgehörten Argumente im Zusammenhang mit einem Systemwechsel für Generika.

infosantésuisse entkräftet einige der meistgehörten Argumente im Zusammenhang mit einem Systemwechsel für Generika.

Das sagen die Gegner des Festbetragssystems Fakt ist …
Generika nach einem Festbetragssystem zu vergüten fördert die Billigstmedizin und wirkt sich langfristig auf die Qualität der Arzneimittel aus Generika durchlaufen einen spezifischen Zulassungsprozess. Geprüft wird, ob die Medikamente gleich gut sind wie die Originalpräparate. Eine Zulassung bedeutet, dass die hohen Anforderungen der Zulassungsbehörde erfüllt sind; «Swissmedic» garantiert die Qualität der Medikamente.
Die Zulassungshürden für den vergleichsweise kleinen Schweizer Markt sind hoch und rechtfertigen einen höheren Generika-Preis. Allein die verlangte Mehrsprachigkeit für Packungen und Beipackzettel führt bei den Herstellern zu massiven Mehrkosten. Mit Importen aus Frankreich, Italien und Deutschland würde das Sprachproblem entschärft. Keinesfalls rechtfertigt der «Sonderfall Schweiz» im Vergleich zum Ausland eine Verdoppelung des Abgabepreises. Generell ist der Nutzen der vom Ausland unabhängigen, kostspieligen Zulassungsverfahren für die Schweiz zu hinterfragen, insbesondere für Generika. Die Praxis zeigt, dass «Swissmedic» ihre Bewilligungen in der Regel analog den Entscheiden der amerikanischen «Food and Drug Administration» respektive deren europäischem Pendant, der «European Medicines Agency», erteilt. Jede dieser Behörden hat hohe Qualitätsanforderungen und kann auch die entsprechenden Produktionsbedingungen vor Ort kontrollieren.
Ein Festbetragssystem zwingt die Patientinnen und Patienten zum ständigen Medikamentenwechsel. Dies führt, gerade bei älteren Menschen, zu Verunsicherung, Überforderung und in letzter Konsequenz zur Beeinträchtigung der Arzneimittelsicherheit. Therapiepläne sind zwingende Bestandteile einer professionellen pharmazeutischen Beratung und beugen allfälligen Unsicherheiten vor. Generika basieren auf den gleichen Wirkstoffen wie Originalmedikamente, entsprechend ist die Arzneimittelsicherheit gegeben. Die Therapietreue wiederum wird weder beeinflusst von der Frage des Alters noch von der Tatsache, ob es sich beim Medikament um ein Generika oder ein Originalpräparat handelt.
Die Verschreibungspflicht von Generika beschneidet die ärztliche Behandlungskompetenz. Der Arzt verschreibt grundsätzlich den Wirkstoff, mit dem ein optimales, wirtschaftlich vertretbares Therapieergebnis erzielt werden kann. Ist aus medizinischen Gründen die Abgabe eines Originalmedikamentes erforderlich, ist dies auch im Festbetragssystem möglich und wird durch die Grundversicherung vergütet. Auf dem Rezept genügt der Vermerk des Arztes: «Aus medizinischen Gründen».
Ein Festbetragssystem für Generika schränkt die Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten ein. Der Patient kann bei der Wirkstoffverschreibung auf den Bezug des Originalpräparates bestehen. Vergütet wird der Festbetrag für den Wirkstoff. Die Preisdifferenz übernimmt der Patient.
Der Patient kann bei der Wirkstoffverschreibung auf den Bezug des Originalpräparates bestehen. Vergütet wird der Festbetrag für den Wirkstoff. Die Preisdifferenz übernimmt der Patient. Die Hersteller von Generika stehen untereinander im Wettbewerb und versuchen, sich mit Darreichungsformen zu differenzieren. Da die Wirkstoffe schon seit längerer Zeit bekannt sind, ist die Zweckmässigkeit anderer Darreichungsformen hingegen fraglich und hat keine Auswirkung auf das Therapieresultat.

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