Ein Karrieresprungbrett im Wandel der Zeit

infosantésuisse-Artikel


01.02.2017

Ein Karrieresprungbrett im Wandel der Zeit

Umfragen bei Lernenden attestieren der kaufmännischen Grundbildung santésuisse Bestnoten. Das kommt nicht von ungefähr. Die Branche setzt seit vielen Jahren auf die gezielte Förderung künftiger Fach- und Führungskräfte. Und tut entsprechend viel dafür.

Sie hat schon viele Reformen hinter sich, die kaufmännische Grundbildung. Und egal, wie viele Bildungsverordnungen im Laufe der Zeit ins Land gezogen sind, junge Leute entscheiden sich nach wie vor in Scharen «fürs KV», wie die Ausbildung im Volksmund fast liebevoll noch immer genannt wird. Mit gutem Grund, denn wie kaum eine andere Lehre hat sich die kaufmännische Grundbildung konstant und konsequent dem Wandel der Zeit angepasst – ohne dabei Staub anzusetzen. Heute hat sie den Ruf eines Karrieresprungbretts, eines Türöffners für zahlreiche nächsthöhere Aus- und Weiterbildungen.

Das Erfolgsrezept: den eigenen Nachwuchs ausbilden

Wie wichtig es ist, für kompetenten, gut ausgebildeten Nachwuchs zu sorgen, haben die Krankenversicherer bereits in den 80er-Jahren erkannt. Sie haben sich regional zusammengeschlossen, um ihre damaligen Lernenden branchenspezifisch auszubilden. Bald gab es erste Branchenprüfungen und 1992 wurde die erste nationale Berufsprüfung mit Schwerpunkt Krankenversicherung durchgeführt. santésuisse hatte bei der Erarbeitung der Prüfungen schon damals eine zentrale Rolle inne und diese mit der Zeit ausgebaut. Weitere Bildungsreformen folgten, und seit 2003 ist die Berufslehre «Kaufmann/Kauffrau santésuisse» eine von 21 akkreditierten Ausbildungsund Prüfungsbranchen im kaufmännischen Berufsfeld. Der Modell-Lehrgang – entwickelt von santésuisse, in enger Zusammenarbeit mit den Ausbildungsverantwortlichen bei den Versicherern – wurde in seinen Grundzügen denn auch von einer Reihe anderer Branchen übernommen. Heute bilden die Krankenversicherer schweizweit und in drei Landessprachen rund 90 Lernende aus, Tendenz steigend. Die überbetrieblichen Kurstage, sie sind für alle Lernenden verbindlicher Teil der Ausbildung, hat santésuisse ebenfalls selber entwickelt und führt diese auch durch.

Höchstnoten für Lernende und Ausbildner

Matthias Hurni ist Projektleiter kaufmännische Grundbildung bei santésuisse und gehört zu den treibenden Kräften punkto kontinuierliche Weiterentwicklung der Berufslehre. Spricht man mit ihm über das heutige Ausbildungskonzept, spürt man Begeisterung und Engagement. «Es ist motivierend zu sehen, wie sich die kaufmännische Grundbildung in den vergangenen zwanzig Jahren professionalisiert hat. Heute wage ich zu behaupten, dass die Lernenden unserer Branche qualitativ eine der besten Ausbildungen überhaupt geniessen.» Dies zeigen auch die regelmässig durchgeführten Zufriedenheitsumfragen bei den Auszubildenden, bei denen die Krankenversicherer alle anderen Branchen zum Teil weit hinter sich lassen. Das ist Genugtuung und Herausforderung zugleich, für Lernende wie für Ausbildner. Aber der Aufwand lohnt sich, so Hurni. «Zum einen ist die Erfolgsquote unserer Lernenden an den Abschlussprüfungen sehr hoch, zum anderen füllt die Branche mit einer qualitativ hochstehenden Ausbildung ihr Reservoir an Nachwuchskräften, die nach ihrem Abschluss sofort vielseitig einsetzbar sind und denen in der Branche Tür und Tor offen stehen.»

«No future» für Kaufleute? Sicher nicht

Dann ist da noch die Frage, ob der Beruf der Kauffrau, des Kaufmannes bald schon Opfer des digitalen Wandels respektive der fortschreitenden Automation wird, wie dies in jüngster Zeit immer wieder prophezeit wird. Matthias Hurni beeindrucken diese Szenarien wenig. «Die Digitalisierung verändert die Krankenversicherungsbranche schon seit Jahren, zum Teil grundlegend. 2003 haben unsere Lernenden Papierrechnungen noch physisch aufgeschlüsselt und zur Verarbeitung vorbereitet. Eine Tätigkeit, die heute längst elektronisch erledigt wird. Für das Kundengespräch hatte man noch vor wenigen Jahren Tariflisten unter dem Arm, jetzt noch das «Tablet». Kommt hinzu, dass bereits heute ein wichtiger Teil der Ausbildung computergestützt abläuft. Mit eigens für sie entwickelten E-Learning-Modulen bereiten sich unsere Lernenden auf die Abschlussprüfung vor. Selbstverständlich ist und bleibt der digitale Wandel eine Herausforderung. Aber das gilt für jede Branche und jede Berufsgattung. Nur, die Beratungs- und Dienstleistungskompetenz von Kaufleuten mit einem eidgenössischen Fähigkeitsausweis wird dadurch längst nicht obsolet. Im Gegenteil, mit jeder Gesetzesrevision steigen die Anforderungen an kompetente Beraterinnen und Sachbearbeiter im Kranken- und Sozialversicherungsbereich.»

Susanne Steffen

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Weiterführende Informationen

Eidgenössischer Fachausweis Krankenversicherungsfachfrau/-mann

Schneller zum Fachausweis: Neue Prüfungsordnung macht es möglich

Das Erlangen des eidgenössischen Fachausweises Krankenversicherungsfachfrau/-mann ist für viele Lehrabgänger der nächste Karriereschritt. Einer der sich lohnt, denn mit einer Berufsprüfung im Sack erhöhen sich Jobchancen und Aufstiegsmöglichkeiten. Dank der geänderten Prüfungsordnung ist dieses Berufsziel für santésuisse Kaufleute mit Fähigkeitszeugnis (EFZ) jetzt mit deutlich weniger Wartezeit realisierbar.

In der Regel schlagen Änderungen von Prüfungsordnungen nicht eben hohe Wellen. Etwas anders verhält es sich mit der neuen Prüfungsordnung zum Erlangen des Fachausweises Krankenversicherung. Für EFZ-Kaufleute santésuisse ist die geforderte Berufserfahrung um zur Prüfung zugelassen zu werden nämlich massiv verkürzt worden:

• Von EFZ-Kaufleuten santésuisse wird neu noch eine Berufserfahrung von zweieinhalb Jahren verlangt. Vor der Ordnungsänderung waren es vier Jahre.

• Die nötige Berufserfahrung zur Prüfungszulassung von EFZ-Kaufleuten anderer Branchen wird von vier auf dreieinhalb Jahre verkürzt.

Unnötiges Hindernis ist aus dem Weg

Bis anhin wurde zur Fachausweis-Prüfung zugelassen, wer zusätzlich zum Fähigkeitszeugnis vier Jahre Berufserfahrung vorweisen konnte. Und zwar egal, ob die Person die kaufmännische Grundausbildung santésuisse absolvierte oder branchenfremd in den Lehrgang einstieg. Eine Prüfungsordnung, die diesen nächsten Karriereschritt eher behinderte als förderte. Der Grund: Die Lehrabschlussprüfungen finden in der Regel im Juli statt, die Berufsprüfungen für den Krankenversicherungs-Fachausweis bereits im Mai. Das heisst, den Kandidatinnen und Kandidaten fehlten jeweils drei Monate Berufserfahrung, um zur Fachausweis-Prüfung zugelassen zu werden.

Auf dem direkten Weg zur Berufsprüfung

Für Inge Bohmüller, Projektleiterin Berufsprüfung und Höhere Fachprüfung bei santésuisse, war dies eine in zweierlei Hinsicht unbefriedigende Situation: «Erstens war es wenig sinnvoll, ‹unseren› EFZ-Inhaberinnen und -Inhabern vier Jahre Berufserfahrung aufzubrummen, bevor sie zur Prüfung zugelassen wurden. Schliesslich haben sie sich in ihrer dreijährigen Ausbildung intensiv mit dem Krankenversicherungsgesetz auseinandergesetzt und bereits ein umfassendes Branchenwissen angeeignet. Zweitens haben die erwähnten fehlenden drei Monate dazu geführt, dass uns Fachkräfte ‹abgewandert› sind; junge Menschen, die keine Lust hatten, bis zum nächsten Karriereschritt nochmals ein Jahr verstreichen zu lassen. Einige von ihnen haben sich in der Folge für andere Lehrgänge wie den Sozialversicherungsfachmann oder die Versicherungsfachfrau entschieden und unserer Branche den Rücken gekehrt – das waren unnötige Verluste. Entsprechend ist die neue Prüfungsordnung für uns Krankenversicherer ein enorm wichtiger Schritt. Er unterstützt unsere Anstrengungen zur gezielten Förderung der Nachwuchs-Führungskräfte».

Susanne Steffen