Communiqué


06.10.2015

Festbeträge sollen stark überhöhte Generikapreise senken

Generika sind in der Schweiz mehr als doppelt so teuer wie im europäischen Ausland. Das ist das heutige Fazit des Preisüberwachers. santésuisse unterstützt deshalb den von ihm vorgeschlagenen Systemwechsel. Für die Preisfestsetzung soll sich der Festbetrag nach dem günstigsten Angebot richten. So könnten jährlich mindestens 400 Millionen Franken gespart werden. Die Einsparung käme vollumfänglich den Prämienzahlern zugute.

Bereits vor zwei Jahren stellte die Preisüberwachung fest, dass für Generika in der Schweiz im Vergleich zum Durchschnitt von 15 europäischen Ländern deutlich überhöhte Preise bezahlt werden. In seinem heutigen Bericht moniert der Preisüberwacher, dass der Preis mehr als 100 Prozent höher ist als das gleiche Produkt im europäischen Ausland eines Vergleichslandes. Zudem haben Generika im Vergleich zu den patentgeschützten Medikamenten einen geringen Marktanteil von nur 24 Prozent in der Schweiz. Ganz anders zum Beispiel in den Niederlanden. Dort beträgt der mengenmässige Marktanteil der Generika im kassenpflichtigen Markt über 50 Prozent.

Sparpotenzial zügig ausschöpfen
Die starke Überhöhung der Generikapreise, kombiniert mit dem geringen Marktanteil, führen zu unnötigen Mehrkosten von 400 Millionen Franken, die von der sozialen Krankenversicherung finanziert werden. Das darf nicht sein. Damit die Generikapreise nachhaltig günstiger werden, braucht es neue Preisfestsetzungsregeln, die vom Bund vorgeschrieben sind. In der Grundversicherung soll ein Festpreis für den Wirkstoff des Medikamentes festgelegt sein. Patienten, die ein anderes Medikament mit demselben Wirkstoff wünschen, dessen Preis über diesem Festpreis liegt, bezahlen die Differenz selbst – ausser der Arzt verschreibt das teurere Präparat explizit aus medizinischen Gründen. Die Arzneimittelverschreibung der Leistungserbringer würde neu auf der Wirkstoffbezeichnung basieren. Die Niederlanden und die meisten europäischen Länder nutzen das System der Festpreise bereits seit Jahren erfolgreich. Verena Nold, Direktorin von santésuisse, unterstreicht: «Es gibt ein grosses Sparpotenzial, das rasch realisiert werden kann. Wir erwarten, dass die gesetzliche Rahmenbedingung zügig geschaffen wird und dass diese sich an Ländern orientiert, die das bewährte System schon lange anwenden.»

Ein Generikum ist ein patentabgelaufenes Medikament, welches die Wirkstoffe enthält, die nicht mehr dem Patentschutz unterliegen. Es ist den Originalmedikamenten ebenbürtig und wurde von swissmedic geprüft. Im Schweizer Markt sind ausschliesslich qualitativ hochwertige Produkte zugelassen. Das Generikum Pantoprazol (siehe unten) ist ein aktuelles Beispiel, das die Preisdifferenz zwischen der Schweiz und den Vergleichsstaaten illustriert.

 

 

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santésuisse ist der führende Branchenverband der schweizerischen Krankenversicherer. santésuisse setzt sich für ein freiheitliches, soziales und finanzierbares Gesundheitssystem ein, das sich durch einen effizienten Mitteleinsatz und qualitativ gute medizinische Leistungen zu fairen Preisen auszeichnet. santésuisse führt jährlich einen Auslandpreisvergleich durch, der nun durch die Analyse des Preisüberwachers eine weitere Bestätigung erfährt:

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