Communiqué


11.11.2015

Inakzeptable Schwächung der Eigenverantwortung zulasten aller

santésuisse lehnt die Streichung von Franchisestufen und insbesondere die vom Bundesrat vorgesehene Kürzung der bestehenden Rabatte auf hohen Franchisen ohne „Wenn und Aber“ ab. Die Vorlage überzeugt weder versicherungstechnisch, noch sind die Begründungen für die Streichungen plausibel oder ausreichend belegt. Ohne Notwendigkeit reduziert die Vorlage die Auswahlmöglichkeiten der Versicherten und schwächt ihre Selbstverantwortung.

Die vier Millionen Versicherten mit einer höheren Franchise bezahlen heute eine Milliarde Franken in den Solidaritätstopf der sozialen Krankenversicherung und finanzieren damit die Versicherten mit der Standardfranchise von 300 Franken. Nicht inbegriffen ist dabei der Betrag, den die Versicherten aus der eigenen Tasche zahlen, bis sie ihre Franchisestufe erreicht haben. Die Rabattkürzungen bestrafen ausgerechnet die Versicherten, die Eigenverantwortung übernehmen. Dazu gehören vor allem Junge und Familien mit Kindern.

Die Schweizer Bevölkerung lehnt Streichungen und Kürzungen ab
Auch die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung lehnt in einer repräsentativen Umfrage von santésuisse sowohl die Rabattkürzungen wie auch die Streichung der Franchisestufen von 1000 und 2000 Franken ab. Allein von letzterer wären 590‘000 Versicherte betroffen. Die Verordnung propagiert die Standardfranchise von 300 Franken, welche dem Prinzip Selbstverantwortung am wenigsten Rechnung trägt und auf eine „Einheitsprämie“ für alle zielt. Die Gesamtkosten in der Grundversicherung würden dadurch noch mehr ansteigen, denn die Versicherten mit niedriger Franchise haben diese schneller aufgebraucht und nehmen tendenziell mehr medizinische Leistungen in Anspruch. Die Zeche müsste das gesamte Kollektiv der Prämienzahler zahlen.

Wahlvielfalt mit Eigenverantwortung statt Strasse zur Einheitskasse
Versicherte mit Wahlfranchisen müssen anders als von den Befürwortern der Verordnung behauptet nicht per se gesünder sein, sondern sie tragen aktiver Sorge zu ihrer Gesundheit. Ausserdem entsteht die Solidarität von Kranken und Gesunden durch den Risikoausgleich, nicht durch die Streichung von Rabatten und Franchisestufen. Der Rückschluss, dass ein tieferer Rabatt zu einer höheren Solidarität führt, ist nicht haltbar. Richtig ist vielmehr, dass die permanente Überstrapazierung der Solidarität der Akzeptanz der sozialen Krankenversicherung nicht förderlich ist.

Die ausführliche Stellungnahme im Rahmen der Anhörung zur Verordnung über die Kranken-versicherung (KVV) „Streichung Wahlfranchisen sowie Senkung Prämienreduktion“ finden Sie auf: www.santesuisse.ch/Politik/Vernehmlassungen

 

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santésuisse ist der Branchenverband der schweizerischen Krankenversicherer. santésuisse setzt sich für ein freiheitliches, soziales und finanzierbares Gesundheitssystem ein, das sich durch einen effizien-ten Mitteleinsatz und qualitativ gute medizinische Leistungen zu fairen Preisen auszeichnet.