Kein Grund zur Klage

infosantésuisse-Artikel


01.02.2017

Antibiotikaresistenz – Korrekte Fallpauschalen

Kein Grund zur Klage

Spitäler und Ärzte schlagen Alarm. Sie monieren, dass aufwändige Spitalbehandlungen, verursacht durch multiresistente Keime, in den Fallpauschalen ungenügend abgegolten würden. Eine Behauptung, die bei korrekt angewendeten Diagnose- und Behandlungscodes einer Prüfung nicht standhält.

Das Problem ist bekannt: Patienten und Ärzte sind immer häufiger mit der Tatsache konfrontiert, dass gängige Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen. Die Ursache sind multiresistente Erreger; Krankheitskeime, die eine Widerstandsfähigkeit gegen die zur Therapie eingesetzten Medikamente entwickelt haben. Einige Bakterien haben sich in der Zwischenzeit so stark verändert, dass sie gegen fast alle geläufigen Antibiotika resistent geworden sind. Die Patientinnen und Patienten leiden in der Folge unter zum Teil lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten und müssen isoliert werden; ihre Behandlung ist intensiv, langwierig und mit hohen Kosten verbunden. Jetzt bemängeln die Spitäler – zum Teil medienwirksam – dass die zusätzlichen Kosten, welche durch die aufwändige Behandlung multiresistenter Keime verursacht werden, grösstenteils zulasten der Spitäler gingen. Konkret monieren sie, dass der Mehraufwand, den diese Patienten im Spital verursachen, in den Fallpauschalen nur ungenügend abgegolten würde.

Korrekte Abrechnung komplexer Fälle

Eine Behauptung, der santésuisse vehement widerspricht. Wird der Spitalaufenthalt aufgrund von multiresistenten Keimen beeinflusst, lässt sich dies in Form von Diagnose- und Behandlungscodes exakt abbilden und entsprechend abrechnen. Sowohl der Keim als auch die Isolation des Patienten und die damit einhergehende komplexe Behandlung können in der Kodierung dargestellt werden. Voraussetzung hierfür ist die medizinische Dokumentation. 2017 existieren für die Behandlung von multiresistenten Keimen fünf DRGs (siehe Tabelle). Übrigens: Stellt die SwissDRG AG anhand der übermittelten Daten einen signifikanten Unterschied zwischen einem Spitalaufenthalt mit und ohne multiresistente Keime fest, so hat sie die Möglichkeit, eine neue DRG zu schaffen oder die existierenden DRGs umzubauen und neu zu bewerten. Gleichzeitig haben alle Partner von SwissDRG – also auch die Leistungserbringer – die Möglichkeit, sich am jährlichen Antragsverfahren zu beteiligen und Anträge für Neubewertungen zu stellen. Lässtsich anhand der übermittelten Daten jedoch kein Unterschied in den Aufwänden belegen, besteht kein Grund für eine Änderung der Vergütung.

Annika List

Antibiotikaresistenz

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Weiterführende Informationen

Seit 2012 werden stationäre Akutspitalaufenthalte anhand von Fallpauschalen abgerechnet. Um eine Fallpauschale (DRG, «Diagnosis Related Groups») zu ermitteln, wird der Spitalaufenthalt unter anderem mithilfe von Diagnose- und Behandlungscodes verschlüsselt. Je nach Konstellation dieser Codes wird eine Fallpauschale angesteuert. Jede DRG ist mit einem Kostengewicht versehen, die den durchschnittlichen Behandlungsaufwand der betreffenden Fallgruppe beschreibt und wird mit dem spitalindividuellen Basispreis («Baserate») multipliziert. Die Höhe des Kostengewichts jeder einzelnen DRG wird ausschliesslich anhand der Kosten- und Leistungsdaten der Netzwerkspitäler der SwissDRG AG ermittelt, und zwar schweizweit einheitlich durch die SwissDRG AG. Für die leistungsgerechte Abbildung ist es zentral, dass diese Daten von den Spitälern korrekt und vollständig erfasst werden. Die SwissDRG AG ist mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Fallpauschalensystems beauftragt.