Medienkonferenz


23.09.2015

Kostenwachstum im ambulanten Bereich am stärksten

Das grösste Kostenwachstum in den letzten zehn Jahren verzeichnen die ambulanten Spitalabteilungen (66 Prozent von 2005 bis 2014) und die niedergelassenen Ärzte (34 Prozent von 2005 bis 2014). Auch der Bereich Spital stationär zeigt in diesem Zeitraum auf einem hohen Niveau eine Kostensteigerung von 20 Prozent. Das systematisch überhöhte Wachstum gefährdet die Zukunft der sozialen Krankenversicherung.

santésuisse hat die Entwicklung der Gesundheitskosten analysiert. Während die allgemeine Teuerung stagniert oder gar rückläufig ist, weist die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) nach wie vor hohe Wachstumsraten auf, ohne dass eine Trendumkehr erkennbar ist.

Höhere Kosten für Arztbesuche, moderatere Steigerung Spital stationär

Mit einer Steigerung von 66 Prozent (+253 CHF) pro versicherte Person zwischen 2005 und 2014 ist die Kostenzunahme in den ambulanten Spitalabteilungen am höchsten. An zweiter Stelle folgen mit einer Steigerung von 34 Prozent (+256 CHF) die niedergelassenen Ärzte. Die Kosten
im ambulanten Bereich werden vollumfänglich von den Prämienzahlern getragen. Die von den Kantonen mitfinanzierten Kosten im spitalstationären Bereich stiegen zwischen 2005 und 2014 zwar moderater, konkret um 20 Prozent pro Person. Die Einführung der neuen Spitalfinanzierung hatte zunächst einen Kostenschub zur Folge, seither hat die Erhöhung der Vergütungsteiler der Kantone das Kostenwachstum gedämpft. Allerdings bewegen sich die Kosten mit 820 Franken pro Jahr und Person auf einem sehr hohen Niveau.

Kostenwachstum belastet Löhne und Renten immer mehr

Die Bevölkerung muss einen wachsenden Anteil der vergleichsweise moderat steigenden Löhne und Renten für die übermässigen Kostenanstiege der Krankenversicherung verwenden. Das permanent überhöhte Kostenwachstum ist damit kein Pappenstiel. Es gefährdet längerfristig die Errungenschaften der sozialen Krankenversicherung. «Eine Krankenversicherung, welche die Bevölkerung nicht mehr bezahlen kann, erfüllt ihre wichtige soziale Funktion nicht mehr», warnt Verena Nold, Direktorin von santésuisse.

Mengenausweitung bekämpfen und Vertragszwang mit den Ärzten lockern

Ein zentrales Problem der Krankenversicherung ist die Mengenausweitung mit dem damit verbundenen Kostenwachstum, welches die Prämienzahler berappen müssen. «santésuisse fordert deshalb griffige gesetzliche Bestimmungen, damit unnötige oder qualitativ ungenügende Leistungen nicht mehr finanziert werden müssen», so Verena Nold, Direktorin von santésuisse. «Die adäquate Lösung ist die systematische Überprüfung der Leistungen, ein Überdenken der Mehrfachrolle der Kantone sowie die Lockerung des Vertragszwangs.»

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Prämien sind Spiegelbild der Kosten Die Prämien der Krankenversicherung sind das Spiegelbild der Kosten für Arzt- und Spitalleistungen, Medikamente, Physiotherapeuten, Spitex etc. Seit 1996 haben sich diese Kosten insgesamt um 130 Prozent erhöht. Die Verwaltungskosten der Krankenversicherer betragen heute knapp 5 Prozent der Prämien. santésuisse ist der Branchenverband der schweizerischen Krankenversicherer. santésuisse setzt sich für ein freiheitliches, soziales und finanzierbares Gesundheitssystem ein, das sich durch einen effizienten Mitteleinsatz und qualitativ gute medizinische Leistungen zu fairen Preisen auszeichnet.