Krebstherapie: Wie viel? Wie lange? Mit welchen Nebenwirkungen?

infosantésuisse-Artikel


01.02.2017

santésuisse unterstützt Projekt in der klinischen Krebsforschung

Krebstherapie: Wie viel? Wie lange? Mit welchen Nebenwirkungen?

Mit einer Studie zur Dosierungsoptimierung wird die vom Hersteller empfohlene Standarddosis eines Medikaments hinterfragt.

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) untersucht die Wirksamkeit und Verträglichkeit neuer Therapien in der Onkologie. Ein Augenmerk der SAKK liegt derzeit auf dem Medikament «Xgeva®», das zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt wird. Eine breit angelegte Studie, unterstützt von santésuisse, soll die vom Hersteller empfohlene Dosierung des Medikaments und damit einhergehend das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Therapie hinterfragen.

Bei mehr als der Hälfte aller Patienten mit fortgeschrittenem Brust- oder Prostatakrebs treten Knochenmetastasen auf, die zu schwerwiegenden Komplikationen führen können, unter anderem zu einer Häufung von Knochenbrüchen. In der Schweiz werden jährlich rund 5000 Menschen mit dieser Diagnose konfrontiert. Behandelt werden Knochenmetastasen seit einigen Jahren mit dem Medikament «Xgeva®», basierend auf dem Wirkstoff «Denosumab» – und das mit guten Ergebnissen. Das Medikament ist denn auch seit Ende 2011 in der Schweiz zugelassen, gilt heute als Standardtherapie und wird von den Krankenversicherern vergütet. Mit der vom Hersteller empfohlenen Dosierung – eine Behandlung alle vier Wochen – kostet eine Jahrestherapie pro Patientin knapp 8500 Franken.

Reduzierte Dosis, gleiche Wirkung?

Mit einer breit angelegten klinischen Forschungsstudie untersucht die SAKK zurzeit, ob und wie die Behandlung von Knochenmetastasen mit «Xgeva®» optimiert werden kann. Von SAKK-Studienleiter Professor Roger von Moos wollte infosantésuisse wissen, weshalb das Medikament auf dem Radar der SAKK ist. «Mit diesem Projekt stellen wir nicht die unbestritten positiven Eigenschaften des Medikaments in Frage. Neue Studiendaten und klinische Erfahrungen legen aber nahe, dass die vom Hersteller empfohlene Standarddosis hinterfragt werden muss. Denn wie die meisten Krebsmedikamente, ist «Xgeva®» nicht nur kostspielig, sondern hat für den Patienten in etlichen Fällen unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge. Mit unserer klinischen Studie wollen wir nun herausfinden, ob die Wirksamkeit des Wirkstoffes «Denosumab», auf dem «Xgeva®» basiert, bei tieferer Verabreichungsfrequenz und damit geringerer kumulativer Dosis erhalten bleibt.»

Kosten sparen zulasten der Patienten?

Und warum engagiert sich santésuisse bei diesem SAKKProjekt? Gilt es, auf Biegen und Brechen Kosten zu sparen, wenn nötig gegen das Patientenwohl? Dr. Andreas Schiesser, Projektleiter Medikamente beim Branchenverband, winkt ab. «Eben gerade nicht. Hier zeigen die Krankenversicherer durch innovatives Vorgehen, dass sie daran interessiert sind, ihren Versicherten die bestmögliche und sicherste Therapie zukommen zu lassen. Durch die Unterstützung der klinischen Studie wird dies ermöglicht. Denn bei Krebsmedikamenten sind die Nebenwirkungen oft schwerwiegend und extrem belastend. Wenn mit kleineren Dosierungen die gleiche Wirkung erreicht werden kann, so ist das in jedem Fall ein Fortschritt. Kommt hinzu, dass Pharmaunternehmen aus naheliegenden Gründen nur wenig Interesse an sogenannten ‹Dosisoptimierungs-Studien› haben; einmal marktreif und zugelassen, werden Forschungsgelder für neue Projekte eingesetzt. Aber natürlich, und das schleckt keine Geiss weg, haben die Krankenversicherer auch ein vitales Interesse an einem optimalen Kosten-Nutzen-Verhältnis kostenpflichtiger Therapien. Für teure, unnötige Behandlungen zu bezahlen, ist weder im Sinne der Versicherer noch der Patienten beziehungsweise der Prämienzahlenden. Sollte die ‹Denosumab›- Studie zeigen, dass mit einer signifikant tieferen Dosis gleich gute Therapieergebnisse erzielt werden, rechnen wir mit jährlichen Kosteneinsparungen von rund 10 Millionen Franken.»

Versorgungsforschung ist im Interesse aller

Wie wichtig eine gezielte Versorgungsforschung ist, hat eine von santésuisse unterstützte SAKK-Studie bereits 2013 eindrücklich gezeigt. Damals wurde die geringe Wirksamkeit von Avastin, als Monotherapie bei Darmkrebspatienten, anhand einer klinischen Studie bewiesen. Dazu nochmals santésuisse Medikamenten-Experte Andreas Schiesser: «In der Versorgungsforschung gibt es noch viel zu tun. Das Ziel ist die fortlaufende Verbesserung von Behandlungen, um optimale Heilungsraten zu erzielen und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu verringern. Dass dies in vielen Fällen zu tieferen Behandlungskosten führt, ist eine willkommene Nebenerscheinung».

Susanne Steffen

Ansprechpartner

Weiterführende Informationen

Die SAKK-Studie «Denosumab»
Die Studie wird mit 1380 Patientinnen und Patienten mit Knochenmarkmetastasen durchgeführt. Der Hälfte von ihnen wird «Xgeva®» gemäss Herstellerdosierung für die gesamte Behandlungsdauer von fünf Jahren alle vier Wochen verabreicht, der anderen Hälfte dreimal alle vier Wochen, danach nur noch alle 12 Wochen. Das Hauptziel des Projektes ist es zu zeigen, dass «Xgeva®», verabreicht nur noch alle 12 Wochen, vergleichbar wirksam ist wie eine Dosis alle vier Wochen.