MiGeL: Aufschlussreicher Auslandpreisvergleich

infosantésuisse-Artikel


01.04.2017

MiGeL: Aufschlussreicher Auslandpreisvergleich

Die Krankenversicherer vergüten jährlich rund 550 Millionen Franken für ärztlich verschriebene medizinische Mittel und Gegenstände. Dazu gehören Wundverbandsmaterial, Inkontinenzhilfen, Atemgeräte oder Blutzuckermessstreifen. Welche Hilfsmittel zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden dürfen, ist abschliessend in der Mittel- und Gegenstände-Liste (MiGeL) geregelt, einem Anhang der Leistungsverordnung, der mehrere hundert Positionen umfasst. Die MiGeL regelt jedoch nicht nur, welche Hilfsmittel von der OKP übernommen, sondern auch, zu welchem Preis diese maximal vergütet werden. Das Problem: Ein Grossteil der in der MiGeL gelisteten Höchstvergütungspreise ist längst nicht mehr marktgerecht. Ein Fakt, den die Krankenversichererseit Jahren monieren und den das Bundesamt für Gesundheit (BAG) anerkennt. Entsprechend hat sich die Aufsichtsbehörde im Dezember 2016 dazu verpflichtet, bis Ende 2017 die Preise derjenigen Produkte zu überprüfen, die insgesamt zwei Drittel der MiGeL-Kosten verursachen. Eine vollständige Überprüfung der Hilfsmittel-Liste soll nach Angabe des BAG bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

40 Millionen Einsparpotenzial bei umsatzstärksten Produkten

Zur Bezifferung des Einsparpotenzials hat santésuisse auf Basis der umsatzstärksten MiGeL-Produktegruppen einen Auslandpreisvergleich vorgenommen. Konkret wurden die Preise für das Jahr 2016 von Inkontinenzhilfen, nCPAPBeatmungsgeräten, Blutzuckermessgerä- ten inkl. Teststreifen und Lanzetten, hydroaktiven Wundverbänden sowie Hilfsmitteln zur Stoma-Versorgung verglichen. Vergleichsländer waren Deutschland, Österreich und die Niederlande. Das Fazit: Allein innerhalb dieser fünf Produktegruppen liessen sich – konservativ gerechnet – pro Jahr rund 40 Millionen Franken einsparen. Für Markus Gnägi, Verantwortlich für die Abteilung Grundlagen bei santésuisse, ist dieses grosse Einsparpotenzial keine Überraschung: «Dass die Krankenversicherer für MiGeL-Produkte seit langem zum Teil massiv überhöhte Preise bezahlen, ist bekannt. Dass wir diesfür die umsatzstärksten Produktegruppen nun mit konkreten Zahlen belegen können, stärkt unsere Position gegenüber der verantwortlichen Aufsichtsbehörde. Als Konsequenz werden wir dem BAG in den kommenden Wochen eine Reihe konkreter Anträge zur Preissenkung einreichen. Ein neuerlicher Vorstoss, den wir den Prämienzahlenden schuldig sind». (SST)

Susanne Steffen

Das Einsparpotenzial auf einen Blick

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