OP-Infrastruktur - Arztpraxen rüsten auf

infosantésuisse-Artikel


01.06.2017

OP-Infrastruktur - Arztpraxen rüsten auf

Die Kosten für ambulant durchgeführte operative Eingriffe liegen in der Regel deutlich tiefer, als wenn der Patient hospitalisiert wird. Entsprechend gewinnt die Formel «ambulant vor stationär» an Bedeutung. Dass immer mehr auch anspruchsvolle Operationen ambulant in Arztpraxen durchgeführt werden, zeigt die beachtliche Zunahme der Operationsinfrastruktur in Arztpraxen.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist in der Schweiz der Anteil ambulant durchgeführter Operationen vergleichsweise tief. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schätzt, dass in unserem Land pro Jahr rund 360000 operative Eingriffe stationär durchgeführt werden, die dank medizinischem Fortschritt ambulant und entsprechend kostengünstiger erfolgen könnten. Experten gehen davon aus, dass die Formel «ambulant vor stationär» unser Gesundheitswesen pro Jahr kurzfristig um gegen 140 Millionen Franken entlasten könnte; langfristig sei ein Einsparpotenzial von mehr als einer Milliarde Franken denkbar.

Viermal mehr «OP I-Operationssäle»in Arztpraxen

Der Blick in die Statistik zeigt nun: In den Schweizer Arztpraxen wird aufgerüstet. Zwischen 2004 und 2012 hat sich die Anzahl Praxen mit einem Operationssaal, der den hohen Anforderungen der Operationskategorie I entspricht, vervierfacht. Konkret werden immer mehr kleinchirurgische Eingriffe ambulant, im Operationssaal der Arztpraxis vorgenommen. So beispielsweise Eingriffe an Extremitäten wie Hand oder Fuss, Augenoperationen, gynäkologische Eingriffe oder gewisse Hautoperationen. Abgesehen von den tieferen Kosten, weil die teure Spitalinfrastruktur wegfällt, profitieren vor allem die Patienten von dieser Entwicklung: Diagnosestellung, Operation und Nachbetreuung erfolgen aus einer Hand; der Genesungsprozess verläuft in der Regel zuhause schneller.

Ungelöste Finanzierungsfragen

santésuisse begrüsst diese Entwicklung. Allerdings unter der Bedingung, dass stationäre und ambulante Leistungen künftig einheitlich finanziert werden. Um Fehlanreize zu vermeiden und die Prämienzahlenden nicht noch mehr zu belasten, ist es zwingend, dass sich die Kantone künftig auch an den ambulanten Gesundheitsleistungen beteiligen – und nicht wie bis anhin nur an den Kosten, die im Spital anfallen. (SST)

Susanne Steffen

Anzahl Arztpraxen mit Operationssaal, Kategorie OP 1

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