Communiqué


31.01.2014

Ärztetarife: Gesamtrevision und Neuorganisation parallel vorantreiben

Eine Revision des ambulanten Ärztetarifs TARMED ist überfällig. Die geltenden Tarife sind überholt. Eine von den Tarifpartnern eingesetzte Arbeitsgruppe prüft nun Möglichkeiten, die Gesamtrevision des Systems sowie eine mögliche Neuorganisation der Organisation TARMED Suisse gleichzeitig voranzutreiben. Weiterhin soll das System kostensteuernd wirken. Änderungen an Tarifpositionen dürfen nicht auf die Prämienzahler abgewälzt werden.

Der seit dem 1. Januar 2004 für ambulante ärztliche Leistungen geltende Tarif TARMED muss revidiert werden. Das ursprüngliche Ziel, Grundversorger gegenüber Fachärzten besser zu stellen, wurde verfehlt. Eine Gesamtrevision ist für 2017 geplant. Die heute am TARMED beteiligten Tarifpartner – santésuisse als führender Branchenverband der Schweizer Krankenversicherer, die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, Die Spitäler der Schweiz H+ sowie die Medizinaltarif-Kommission MTK UV/IV/M haben am 30. Januar 2014 eine Arbeitsgruppe bestellt, welche geplante Projekte und Massnahmen sowie hängige organisatorische Fragen prüfen und einem Konsens zuführen soll.

Konsenslösung für Tarife und Neuorganisation

Die alle Tarifpartner repräsentierende Arbeitsgruppe soll Mittel und Wege aufzeigen, wie die Ziele der beiden anstehenden Projekte gleichzeitig erreicht werden könnten. Die Gruppe wird bis Anfang März analysieren, inwiefern die für 2017 geplante Gesamtrevision des TARMED und eine Neudefinition der Organisation TARMED Suisse in eine TARMED Suisse AG gemeinsam mit allen Tarifpartnern vorangetrieben werden kann.

Verena Nold Rebetez, Direktorin von santésuisse sagt: «Ein solches Vorgehen birgt grosse Chancen für alle Tarifpartner. So können wir die nötigen Einigungen in Tariffragen vorantreiben und gleichzeitig prüfen, ob wir auch in einer Neuorganisation verhandlungs- und konsensfähig wären». Wenn es gelinge, die Anpassungen in den Gesamtrevisionsprozess einfliessen zu las-sen und gleichzeitig eine mögliche Neuorganisation aufzugleisen, «dann hätten Ärzte und Leistungserbringer wie auch Versicherten relativ rasch eine neue tragfähige Lösung», sagt Nold.

Tarifrevision bleibt prioritär In der Gesamtrevision des TARMED sollen alle Positionen überprüft und aktualisiert werden. Eine tief greifende Revision bietet die Chance, *Grundversorger unter den Ärzten gegenüber den bisher bevorteilten Spezialärzten besser zu stellen.

Die Neuorganisation von TARMED Suisse wiederum würde bezwecken, den Unterhalt und die Weiterentwicklung der Tarifstruktur TARMED inskünftig einer Aktiengesellschaft mit angepassten Entscheidstrukturen zu übertragen.

«Wir sind uns bewusst: Die Kombination dieser beiden Vorhaben ist ein ehrgeiziges Unterfan-gen», sagt Nold. Sollte es nicht gelingen, beide Projekt gleichzeitig ins Ziel zu bringen, so sei es wichtig, die Aufgabe der Gesamtrevision des TARMED in den bestehenden Strukturen voranzutreiben. «Wir sind den Versicherten verpflichtet. Sie sollen rasch Gewissheit erhalten, dass mögliche Teuerungsausgleiche für Ärzte nicht auf ihrer Prämienrechnung erscheinen».

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Weiterführende Informationen

*Erhebungen von santésuisse zeigen: Zahlreiche TARMED-Positionen entsprechen nicht mehr den realen Gegebenheiten. Der geltende TARMED bildet weder den medizinischen Fortschritt der letzten 10 Jahre noch die damit einher gehende gestiegene Produktivität ab. Die Auswertungen von santésuisse belegen, wie das Einkommen der Ärzteschaft in den letzten Jahren pro Konsultation kontinuierlich gestiegen ist: Dabei stieg das Einkommen von Grundversorgern von 2008 bis 2012 um 6,7 Prozent pro Konsultation. Jenes von Spezialärzten stieg um ein Mehrfaches: Gastroenterologen etwa verdienten pro Konsultation sogar 19,1 Prozent mehr, Chirurgen konnten einen Mehrverdienst (Bruttoumsatzplus) von 14 Prozent verbuchen. (Dabei nicht eingerechnet sind die beträchtlichen Einkommen für Operationen, die sie als Belegärzte erzielen). Psychiater verdienten über die letzten Jahre 9,7 Prozent mehr pro Konsultationen. Deren Zahl hat bei den Psychiatern (inkl. Psychotherapie) um 12,5 Prozent zugenommen.