Schutz gegen ein Jahrhundertereignis

infosantésuisse-Artikel


01.10.2017

Reserven und Leistungen

Schutz gegen ein Jahrhundertereignis

Reserven und Rückstellungen stellen die finanzielle Stabilität und jederzeitige Zahlungsfähigkeit der Krankenversicherer sicher. Das finanzielle Sicherheitsnetz ist so dimensioniert, dass es auch extreme Erschütterungen auffangen kann.

Seit nunmehr 20 Jahren führen die Krankenversicherer die obligatorische Krankenversicherung gemäss dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) durch. In dieser Zeit haben ausreichende Reserven jederzeit die finanzielle Stabilität und Sicherheit der Krankenversicherung für alle Versicherten und die Leistungserbringer gewährleistet. Die Aufzeichnung der Verpflichtungen der Krankenversicherer in Form der von ihnen vergüteten Nettoleistungen und der Reserven und Rückstellungen zeigt, wie seit 1996 die Leistungen stark angewachsen sind. Entgegen der manchenorts geäusserten Vermutung sind die Reserven in diesem Zeitraum nicht ins Astronomische gewachsen; vielmehr haben sie, anders als die Leistungen, nur in geringem Mass zugenommen. Anzumerken ist, dass die Reserven 2012 nach einer Änderung der Rechnungslegungsvorschriften aufgrund der Auflösung von stillen Reserven einmalig stark gestiegen sind.

Risikoanalyse bestimmt Reserven

Seit 2012 wird zur Bestimmung der minimal erforderlichen Reserven nicht mehr ein starres Verhältnis der Reserven zur Grösse des Krankenversicherers angewendet. Dafür wird der sogenannte Solvenztest («Swiss Solvency Test») angewendet. Bewertet werden konkrete Risiken wie unerwartete, aussergewöhnlich hohe Leistungen, extreme negative wirtschaftliche Entwicklungen oder die Folgen von operationellen Fehleinschätzungen eines Krankenversicherers.

Sicherheitsnetz Reserven und Rückstellungen

Geschützt vor Extremereignis

Für die Bemessung von Schutzmassnahmen muss eine Referenz festgelegt werden. Im Hochwasserschutz werden Massnahmen zum Beispiel zur Abwehr eines alle 30 Jahre vorkommenden Hochwassers dimensioniert oder gar um den Schutz vor einem extremen Hochwasser zu gewährleisten, das statistisch nur alle hundert Jahre vorkommt. Ein damit vergleichbares Szenario wird auf jeden einzelnen Krankenversicherer angewendet. Das BAG als Aufsichtsbehörde beschreibt ein solches ausserordentliches Jahr «als ein Jahr, wie es ein Versicherer durchschnittlich alle hundert Jahre erleben sollte. Anders gesagt: Die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe ist im KVGSolvenztest auf 1 Prozent festgelegt. Mit den geforderten Reserven (Mindesthöhe) sollte der Krankenversicherer den durchschnittlichen Verlust eines solchen ausserordentlichen Jahres gerade noch verkraften können.»

Rückstellungen stellen Zahlungen sicher

Rechnungen für Behandlungen werden den Krankenversicherern nicht immer gleich zur Vergütung eingereicht. Die Krankenversicherer stellen mit Rückstellungen sicher, dass für diese noch nicht abgeschlossenen Versicherungsfälle ausreichende finanzielle Mittel vorhanden sind. Gemessen an den Nettoleistungen belaufen sich die Rückstellungen auf 20 bis 30 Prozent des Prämienvolumens. Lag die Quote 1996 für alle Krankenversicherer bei 32 Prozent, ist sie seither kontinuierlich auf 22,4 Prozent in 2016 gesunken. Dieser Wert ist bei jedem Krankenversicherer anders, da die Rechnungen unterschiedlich schnell zur Vergütung eingereicht werden. (PRH)

Paul Rhyn

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