Spezialärzte und Spitalambulatorien gewinnen an Boden, Hausärzte verlieren

infosantésuisse-Artikel


31.07.2017

Zunahme der ambulanten Behandlungskosten

Spezialärzte und Spitalambulatorien gewinnen an Boden, Hausärzte verlieren

Patientinnen und Patienten suchen immer häufiger die teureren Spezialärzte und Spitalambulatorien auf. Die Grundversorgung durch die Hausärzte wankt. Die Folgen dieses Trends schlagen sich in der Kostenentwicklung nieder.

Offensichtlich macht der gesellschaftliche Trend desjederzeitigen und uneingeschränkten Zugriffs auf Leistungen auch vor den Arztbehandlungen nicht Halt. Dass die Patientinnen und Patienten bei einer noch so unbedeutenden gesundheitlichen Beeinträchtigung sofort zum Arzt oder ins Spitalambulatorium gehen, wird zum Standard. Nicht mehr gefragt sind Geduld zum Auskurieren von Wehwehchen oder das Warten auf einen Termin beim Hausarzt. Die Leistungserbringer haben sich den veränderten Patientenbedürfnissen mit neuen Konzepten wie Walk-in-Praxen, Bahnhof-Permanencen und Ärztezentren angepasst.

Hausärzte verlieren «Marktanteile»

Aus den Zahlen des SASIS-Datenpool geht hervor, dass die Zahl der Konsultationen pro Person bei den Spezialärzten und Spitalambulatorien stärker zunimmt als bei den Grundversorgern (Grafik 1). Für die Kostenentwicklung ist dieser Trend ein bedeutender Treiber, weil eine Konsultation beim Spezialisten mit 198 Franken oder im Spitalambulatorium für 276 Franken deutlich teu rer ist als ein Besuch beim Hausarzt, der durchschnittlich 99 Franken kostet. Dass die Spitäler ihre ambulanten Angebote hochgefahren haben, zeigt die indexierte Darstellung der Entwicklung der Anzahl Konsultationen und der Kosten pro Konsultation (Grafik 2). Während die Zahl der Konsultationen rasant ansteigt, sind die Kosten pro Konsultation leicht rückläufig. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Spitalambulatorien zunehmend Grundversorgeraufgaben übernehmen. Bei den Ärzten unterscheidet sich der Verlauf zu den Spitalambulatorien deutlich (Grafik 3). Im Vergleich zu den Spitalambulatorien haben die Konsultationen wenigerstark zugenommen. Angestiegen sind hingegen die Kosten pro Konsultation. Verantwortlich dafürsind verschiedene Abrechnungspositionen, unter anderem die Position «ärztliche Leistung in Abwesenheit des Patienten».

Spezialärzte und Spitalambulatorien werden vermehrt genutzt.

Im spitalambulanten Bereich nehmen die Konsultationen stark zu.

Bei den Ärzten sind Anzahl der Konsultationen und Kosten pro Konsultation angestiegen.

Die Menge macht’s aus

Sowohl im spitalambulanten Bereich als auch bei den Arzttarifen sind die Taxpunktwerte, also die Preise,stagnierend bis rückläufig (Grafik 4). Es sind somit keine Preiseffekte vorhanden, die zum Kostenanstieg beitragen könnten. Vielmehrsind es die Mengenausweitungen, das heisst vor allem die stark steigende Zahl von teuren Konsultationen im Spital oder beim Spezialarzt, die zum Kostenanstieg führen. (PRH)

Paul Rhyn

Die Preisentwicklung für ambulante Arzt- und Spitalleistungen ist nicht verantwortlich für den Kostenanstieg.

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