Communiqué


13.07.2017

Gesundheitskosten steigen weiter. Zunehmende Belastung für Prämienzahler

Spitalambulatorien und Arztpraxen sind die grössten Kostentreiber

Die Gesundheitskosten stiegen im Jahr 2016 unvermindert an. Mit einem Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr betragen die Gesundheitskosten, die von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gedeckt werden, mittlerweile 31,6 Milliarden Franken. Prämienzahler greifen für deren Finanzierung tief in die Tasche. Und es wird immer teurer. Für das laufende Jahr 2017 werden weitere Kostenschübe erwartet. 

santésuisse hat die Kostenentwicklung des Jahres 2016 analysiert. Wiederum sind die bekannten grossen Kostenblöcke für das Wachstum verantwortlich.

Kostenblock Spital ambulant: beschleunigtes Kostenwachstum

Mit einem Kostenwachstum von 9,1 Prozent (Vorjahr: +4,8 Prozent) von 5,4 Milliarden auf 5,9 Milliarden Franken weist der Bereich Spital ambulant ein enormes Wachstum auf. Anders als der spitalstationäre Bereich wird dieser Bereich zu 100 Prozent mit Krankenversicherungsprämien gedeckt. Drei Effekte zeichnen für dieses Wachstum verantwortlich: Erstens, die im Jahre 2014 eingeführte Besserstellung der Grundversorgung ist nicht wie geplant kostenneutral umgesetzt worden, sondern hat zu einer geführt. Zweitens findet eine sukzessive Verlagerung von stationären Behandlungen in den ambulanten Bereich statt. Für die Kantonsfinanzen ist diese Entwicklung zwar willkommen. Die Kantone müssen sich nicht an Behandlungskosten im spitalambulanten Bereich beteiligen. Die Verschiebung geht aber voll zulasten der Krankenversicherung und damit der Prämienzahler. Drittens spielen die hohen Medikamentenpreise eine kostentreibende Rolle. Der Umstand, dass das Bundesamt für Gesundheit im Jahr 2016 die Medikamentenpreise nicht überprüft und somit keine Preissenkungen vorgenommen hat, führt dazu, dass das Wachstum bei den Medikamentenkosten nicht gedämpft wurde. Insbesondere weisen die teuren Krebsmedikamente und Kombinationstherapien erhöhte Umsatzzahlen auf. Zudem werden wesentlich günstigere Generika zu wenig an Spitälern abgegeben.

Kostenblock Arztpraxen: Kostenwachstum auf hohem Niveau

Die frei praktizierenden Ärzte verursachten ein durchschnittliches Kostenwachstum um 4,9 Prozent von 9,1 Milliarden auf 9,5 Milliarden Franken. Während die Grundversorger ein Wachstum von 2,1 Prozent aufwiesen, steigerten die Spezialärzte ihren Umsatz um überdurchschnittliche 6,8 Prozent. Zum einen haben die Spezialärzte die 2014 eingeführte Tarifkürzung der technischen Leistung im TARMED, welche die ärztliche Grundversorgung besser stellt, mit einer Mengenausweitung kompensiert. Zu nennen sind aber auch eine steigende Anspruchshaltung der Bevölkerung sowie die angebotsinduzierte Nachfrage. Schliesslich sind die Kosten für Medikamente, welche direkt von den Ärzten an die Patienten abgegeben werden, um 6,1 Prozent auf 1,9 Milliarden Franken pro Jahr gestiegen. Die fehlende Wirtschaftlichkeitsprüfung durch das Bundesamt für Gesundheit verhinderte Preissenkungen mit einem kostendämpfenden Effekt.

Kostenblock Apotheken: fehlende Preisüberprüfung als Kostentreiber

Das Wachstum im Umfang von 5,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken ist ebenfalls beachtlich. Es ist vor allem auf Preiseffekte bei den Medikamenten zurückzuführen (keine Wirtschaftlichkeitsprüfung durch das Bundesamt für Gesundheitswesen und somit 2016 keine Preissenkungen). Zudem wurden im Markt bestehende ältere Medikamente durch höher preisige Medikamente ersetzt. Auch ist der Generika-Umsatz mit einem Anteil von 16 Prozent gegenüber Markenmedikamenten zu tief. Im OECD-Durchschnitt liegt der Anteil des Generika-Umsatzes bei rund 48 Prozent, in Deutschland und im Vereinigten Königreich bei rund 80 Prozent.

Kostenblock: Spitalstationäre Kosten auf hohem Niveau leicht im Minus

Die spitalstationären Kosten haben sich im Jahr 2016 mit 6,9 Milliarden Franken und einem geringen Rückgang um 0,4 Prozent auf hohem Niveau stabilisiert. Die für die Prämienzahler positive Entwicklung kann darauf zurückgeführt werden, dass die Kantone ihren Finanzierungsanteil bis Anfang 2017 auf 55 Prozent anpassen mussten.

Fazit: Gesundheitskosten steigen, Belastung für Prämienzahler nimmt zu

Gegenüber der moderat wachsenden Schweizer Volkswirtschaft weist die Gesundheitswirtschaft eine hohe Dynamik auf. Hohes Kostenwachstum verzeichnen insbesondere Bereiche, welche vollständig von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) mit Prämiengeldern gedeckt werden müssen. santésuisse geht für das laufende Jahr 2017 von einem weiteren Kostenschub bei den Gesundheitskosten um 5,1 Prozent (4,1 Prozent pro versicherte Person) aus. Angesichts dieser Kostenentwicklung führt kein Weg an tiefgreifenden Reformen vorbei wie zum Beispiel die gleiche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen sowie die Lockerung des Vertragszwangs. In Betracht zu ziehen sind zudem zügig Preissenkungen bei den Tarifen und Medikamenten. Schliesslich müsste auch die Verschreibung und Abgabe von günstigeren Generika gefördert werden, um die Arzneimittelkosten in der Schweiz zu stabilisieren.

 

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