Standpunkt von Heinz Brand in der Südostschweiz vom 6. Dezember 2017

Standpunkt


08.12.2017

Standpunkt: Proteste gegen Prämien

Standpunkt von Heinz Brand in der Südostschweiz vom 6. Dezember 2017

Berner Politik: Wildes Eseltreiben am Genfersee

Wer den Sack schlägt, obwohl der Esel gemeint ist, sollte mit Vorteil wissen, wer oder was eigentlich genau zu Kritik Anlass gibt. Dies gilt ganz besonders bei den Krankenkassenprämien. In diesem Bereich können fehlgeleitete Proteste schnell einmal groteske Züge annehmen: So unlängst geschehen in Genf, wo wegen der hohen Gesundheitskosten gegen die Krankenkassenprämien protestiert und öffentlich erwogen wurde, die Bezahlung der Prämien zu boykottieren.

Es stellen sich automatisch Fragen, wozu unsere Prämiengelder überhaupt verwendet werden und was ein Boykott bewirken würde. Die erste Antwort ist einfach: Mit 95 Rappen von jedem Prämienfranken werden Leistungen von Spitälern, Ärzten, Physiotherapeuten, Hebammen etc. bezahlt. Fünf Rappen benötigen die Krankenversicherer für die Verwaltung. Ein Boykott wäre folglich ein Zeichen gegen die von der Bevölkerung selbst und reichlich in Anspruch genommenen Gesundheitsleistungen und damit ein Bumerang. Denn hier zeigen die Meinungsumfragen bis heute klar: Die Bevölkerung will keinerlei Abstriche beim Angebot. Im Zweifelsfalle sind ihr die Qualität und die Nähe der Angebote noch wichtiger als die Kosten, koste es was es wolle.

Eine Folge des Boykotts wäre, dass der Wohnkanton 85 Prozent der nicht bezahlten Prämien bezahlen müsste. Die restlichen 15 Prozent hätten faktisch die Versicherten zu berappen, die ihre Prämien immer redlich begleichen. In neun Kantonen - Graubünden inklusive - würden die säumigen Prämienzahler auf schwarze Listen der Kantone kommen und nur noch medizinische Nothilfe erhalten. Damit wird auch klar, dass sich nur noch Gesunde oder Reiche Prämien- Boykotte überhaupt leisten könnten. Chronisch kranke Menschen, die auf eine funktionierende Krankenversicherung angewiesen sind, kommen mit medizinischer Nothilfe nicht aus.

Fazit: Aufrufe, die Bezahlung der Prämien zu boykottieren, sind kurzsichtig und unsolidarisch. Hoffentlich besinnen sich die Protagonisten der Demonstration am Genfersee über Weihnachten eines Besseren. Falls die Prämienzahlungen tatsächlich boykottiert würden, könnten Ärzte, Spitäler und Pflegepersonal bereits nach kurzer Zeit nicht mehr bezahlt werden, weil die Reserven der Krankenkassen im Durchschnitt nur für ungefähr zehn Wochen ausreichen.

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Dieser Standpunkt erschien ursprünglich in der Südostschweiz vom 6. Dezember 2017