Umfassender, nutzerfreundlicher, nachvollziehbar

infosantésuisse-Artikel


01.04.2017

www.spitalfinder.ch

Umfassender, nutzerfreundlicher, nachvollziehbar

kf-Präsidentin Babette Sigg Frank

Der santésuisse «Spitalfinder», das Vergleichsportal zur Qualität der Schweizer Spitäler, hat sich als Informationsplattform etabliert. Seit seiner Lancierung vor gut einem Jahr haben sich mehr als 35000 Benutzerinnen und Benutzer vor der Wahl eines Spitals auf www.spitalfinder.ch über dessen Qualität informiert. Jetzt ist das Onlineportal überarbeitet sowie mit zusätzlichen Spitalarten, Qualitätskriterien, Krankheitsbildern und Suchfunktionen ergänzt worden.

Vom Start weg unterstützt wurde das Vergleichsportal vom Schweizerischen Konsumentenforum kf. infosantésuisse hat mit Babette Sigg Frank, geschäftsführende Präsidentin der Konsumentenorganisation, gesprochen.

Frau Sigg, die Krankenversicherer und das Konsumentenforum sind nicht immer einer Meinung. Die Idee des «Spitalfinders» haben Sie aber von Anfang an unterstützt. Weshalb?

Es waren verschiedene Gründe. Zum einen hat uns die Idee überzeugt, dass sich Versicherte und Konsumenten umfassend und leicht zugänglich über die Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit in Schweizer Akutspitälern informieren können. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Qualitätstransparenz. Auf der anderen Seite war es uns wichtig, dass der Absender des Vergleichsportals kompetent und vertrauenswürdig ist. Mit santésuisse als Partnersind diese Voraussetzungen gegeben.

Die Informationsplattform ist seit gut einem Jahr online. Wie kommt sie bei den Konsumentinnen und Konsumenten an?

Wir werden kaum auf den «Spitalfinder» angesprochen. Das ist aber weiter nicht verwunderlich. Zu uns kommen die Konsumentinnen und Konsumenten ja vor allem dann, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten. Gut möglich auch, dass die Website beim «Endverbraucher» dass bezüglich Vermarktung des Portals mehr gemacht werden sollte – da sehe ich noch Potenzial.

Der «Spitalfinder» hilft den Prämienzahlenden, eine informierte Spitalwahl zu treffen. Kann diese Wahlfreiheit auch eine Überforderung der Versicherten mit sich bringen?

Sicher gibt es Patienten, die mit dieser Informationsfülle überfordert sind und es bevorzugen, wenn ihnen der Arzt oder die Ärztin die Spitalentscheidung abnimmt. Hingegen haben wir die Erfahrung gemacht, dass unsere «kf-Kunden» die Wahlfreiheit schätzen und auch nutzen.

Früher ist man vom Arzt ins nächstgelegene Spital eingewiesen worden. Eine Entscheidung, die kaum je hinterfragt wurde. Heute sagt der Patient, wo er behandelt werden möchte. Eine begrüssenswerte Entwicklung oder die eher fragwürdige Konsequenz einer überversorgten Konsumgesellschaft?

Natürlich sind wir in der Schweiz punkto Spitalwahl in einer privilegierten Situation. Von einer überversorgten Konsumgesellschaft würde ich aber dennoch nicht sprechen. Vielmehr ist es so, dass sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient in den vergangenen Jahren doch stark verändert hat. Esist partnerschaftlicher geworden; die Dinge zu hinterfragen ist erlaubt. Hinzu kommt, dass der Patient in der Regel gut informiert ist und bei wichtigen Entscheidungen, die seine Gesundheit betreffen, mitreden will. Entsprechend hat der Dialog zwischen Arzt und Patient heute einen ganz anderen Stellenwert alsfrüher. Eine Entwicklung, die wir vom kf sehr begrüssen.

Braucht es in einem nächsten Schritt regionale Bewertungsportale für Hausärzte, Gynäkologen oder Kin derärzte. Eine Art «Trip Advisor» für die ambulante Arztwahl?

Bewertungsportale für ambulante Behandlungen sind wohl der nächste Schritt, sozusagen die logische Konsequenz nach dem «Spitalfinder». Massgebend respektive Basis für die Bewertungen müssen aber unbedingt national festgelegte, objektive Qualitäts- und Bewertungskriterien sein. Und auf keinen Fall Beurteilungen durch zufriedene oder frustrierte Patienten. Denn diese sind, wahrscheinlich ähnlich wie beim «Trip Advisor», meist sehr persönlich und taugen als Entscheidungsgrundlage nur bedingt.

Bessere Qualität geht oft einher mit höheren Kosten. Gilt dies Ihrer Meinung nach auch im Gesundheitswesen?

Gute Qualität hat ihren Preis, das ist so. Die monatliche Prämienrechnung für die Krankenversicherung ist hierfür der beste Beweis. Gleichzeitig sind es die Konsumentinnen und Konsumenten, die 1a-Leistungen fordern, gerade im Gesundheitswesen. Ein Widerspruch, der gerne verdrängt wird. Die Frage ist aber, ob gute Qualität tatsächlich Jahr für Jahr noch teurer werden muss. Oder anders gefragt, wann ist gut gut genug?

Eine andere Behauptung: Bessere Qualität, mehr Transparenz fängt mit dem lückenlosen elektronischen Datenaustausch zwischen den involvierten Leistungserbringern an. Einverstanden?

Einverstanden! Ich bin seit Jahren eine grosse Verfechterin des lückenlosen elektronischen Patientendossiers. Und ich hoffe, dass es in diesem Bereich endlich vorwärts geht. Wenn die verschiedenen Leistungserbringer alle Zugriff auf dieselben Daten haben, erübrigen sich unnötige Mehrfachuntersuchungen oder doppelte und dreifache Laboranalysen und Röntgenaufnahmen. Damit lässt sich nicht nur viel Geld sparen, auch die Behandlungsqualität wird verbessert. Profitieren davon werden in jedem Fall die Versicherten.

Mündige, gut informierte Patienten, die ihre Rechte kennen und auch ausüben; dafür setzt sich das kf seit Jahren ein. Wo sehen Sie die Rolle der Krankenversicherer bei diesem Auftrag?

Hauptsächlich in der Informationsvermittlung. Aber auch in der Beratung und bis zu einem gewissen Grad in der Prävention. Dazu muss man sagen, dass die Krankenversicherer in den vergangenen Jahren diesbezüglich viel geleistet haben. Sie sind nicht mehr nur «Zahlstelle», sondern immer mehr auch Gesundheitsförderer und Patientencoach. Dass diese Anstrengungen nicht uneigennützig sind, versteht sich von selbst. Aber sie befähigen den Versicherten zu informierten, gut überlegten und eigenverantwortlichen Entscheidungen was seine Gesundheit anbelangt. (SST)

Susanne Steffen

Ansprechpartner

Weiterführende Informationen

www.spitalfinder.ch - vollständer und verständlicher

santésuisse und das Konsumentenforum kf haben den «Spitalfinder» gut ein Jahr nach seiner Lancierung einer Überarbeitung unterzogen – inklusive einer Auffrischung des Designs. Das Vergleichsportal ist neu noch umfassender und nutzerfreundlicher – ohne Transparenz und wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit zu verlieren. Hier die wichtigsten Optimierungen und Ergänzungen auf einen Blick:
Neu kann auch die Qualität von Psychiatrien und Rehabilitationskliniken verglichen werden. Die Daten stammen vom ANQ (Nationaler Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken). Rehabilitationskliniken werden mittels Patientenzufriedenheit verglichen, Psychiatrien mittels ihrer Effektivität bezüglich der Verbesserung der Symptombelastung.
Bei den Akutspitälern wurden bislang fehlende Krankheitsbilder/Diagnosen ergänzt. So finden sich neu Bereiche wie Altersmedizin, Transplantationen oder Haut im «Spitalfinder». Zudem wurde unter anderem der Bereich Gynäkologie mit häufig nachgefragten Zahlen zu Geburten und Kaiserschnitten ergänzt. Diese Daten stammen vom Bundesamt für Gesundheit.
Um dem Nutzer die Suche zu vereinfachen, wurde zusätzlich zur Filtersuche eine Freitextsuche integriert, mit welcher die Qualitätsindikatoren des gesuchten Spitals direkt zu finden sind. Neu bietet die Plattform zudem einen Assistenten, welcher die Nutzer in einem geführten Dialog zum gewünschten Vergleich leitet. Dieser sogenannte «Chatbot» vereinfacht die Spitalsuche für Patientinnen und Patienten, welche mit der Filtersuche nicht zurechtkommen. Eine Dienstleistung, die kein anderer Spitalvergleich bietet. (GPA)