Kosten sparen = Prämien sparen
In einem regulierten Wettbewerb fehlen die Anreize, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Um Kosten zu sparen, braucht es mehr Wettbewerb. Die Krankenversicherer setzen sich ein für eine gute medizinische Versorgung zu fairen Preisen. Für die Prämienzahler heisst dies: Ein besseres Preis-Leistungsverhältnis, höhere Qualität und grössere Wahlfreiheit.
Warum steigen die Kosten im Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen ist ein 60-Milliarden-Markt mit über 500‘000 Beschäftigten. Jeder zehnte Arbeitnehmer ist im Gesundheitswesen tätig und setzt sich für eine immer bessere Behandlung der Patienten ein, für den medizinischen und technischen Fortschritt und für die Entwicklung neuer Medikamente. Die Gesundheitskosten stiegen 2008 um 5,4 Prozent.
Fehlender Wettbewerb verteuert die Prämien: Der fehlende Wettbewerb bei Ärzten und Spitälern führt zu einem ungebremsten Kosten- und Mengenwachstum. Dies verteuert die Prämien. Bei Spitälern bestehen Überkapazitäten. Ärzte verdienen an der Menge der Konsultationen. Die Anzahl Ärzte mit eigener Praxis ist seit 1994 um über 30 Prozent gestiegen – der Gesundheitszustand der Bevölkerung hat sich dadurch nicht verbessert.
Steigender Konsum lässt Kosten steigen: Die Angebote im Gesundheitswesen werden laufend ausgebaut. Den Prämienzahlern stehen immer mehr und immer komplexere Dienstleistungen zur Verfügung, die sie zunehmend mehr nutzen. Aber: Nicht jede Leistung, die bezogen wird, ist wirksam, zweckmässig oder wirtschaftlich.
Wo fallen die Kosten an und wo steigen sie am stärksten?
Grundversicherung am stärksten belastet: Der grösste Teil der Kostensteigerung wird in die obligatorische Krankenpflegeversicherung abgewälzt. Während die Gesundheitskosten zwischen 1996 und 2007 um 47 Prozent zunahmen, stiegen die Kosten im obligatorischen Bereich um 66 (!) Prozent.
Spitalkosten ausser Kontrolle: Fast 50 Prozent der Kosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung fallen bei den Spitälern an. 2008 betrug die Kostensteigerung bei Spitalbehandlungen stationär und ambulant 600 Millionen Franken. Die Leistungen im Bereich Spital stationär sind mit 3,8 Prozent zwar unterdurchschnittlich gewachsen, das hohe Kostenniveau in diesem Bereich führte dennoch zu einer Kostensteigerung von 200 Millionen Franken.
Bereiche mit dem grösstem Kostenwachstum: Der Bereich Spital ambulant verzeichnete 2008 mit einer Zunahme von + 12,7 Prozent oder 400 Millionen Franken das grösste Wachstum. Viele Patienten lassen sich in kostenintensiven Notfallabteilungen behandeln, statt den Hausarzt zu konsultieren. Übrige Kostenanstiege 2008: Laboruntersuchungen + 8,6 Prozent, Spitex + 6,8 Prozent, frei praktizierende Ärzte + 5 Prozent, Medikamente + 4,7 Prozent, Verwaltung +2,7 Prozent.
Verwaltungskosten deutlich tiefer als bei SUVA oder IV: Mit den Verwaltungskosten bezahlen die Versicherten Tarifverhandlungen mit Spitälern und Ärzten, Rechnungs- und Kostenkontrollen sowie Kosten für Werbung, Sponsoring und Mutationen. Die Verwaltungskosten der Krankenversicherer sind mit rund 5 Prozent sehr günstig. Zum Vergleich: Die Verwaltungskosten bei der Suva liegen deutlich höher. Die Invalidenversicherung IV sitzt als Sanierungsfall auf einem Milliarden-Schuldenberg.
Was macht santésuisse zur Bekämpfung der Kostenentwicklung?
Engagement für mehr Wettbewerb: santésuisse setzt sich für eine freiheitliche und qualitativ hochstehende Grundversorgung ein – damit das Gesundheitssystem transparenter, effizienter und günstiger wird. Dazu braucht es insbesondere mehr Wettbewerb unter den Leistungserbringern – vor allem bei Ärzten und Spitälern.
Förderung von Managed Care: santésuisse engagiert sich für eine Verbesserung des Gesundheitsmanagements und der Begleitung von Patientinnen und Patienten über den gesamten Behandlungsprozess. In Managed Care-Modellen tragen die Leistungserbringer eine Budgetmitverantwortung. Hausärzte, Spezialisten und Spitäler arbeiten koordiniert zusammen. Dadurch können Doppelspurigkeiten und unnötige Behandlungen vermieden, Kosten gesenkt und Qualitätsstandards gesichert werden.
Einsatz für freiere Vertragsbeziehungen: Im Interesse der Versicherten wollen die Krankenkassen Verträge nur mit guten Ärzten und Spitälern abschliessen. Dazu müssten sie die Spitäler und Ärzte nach den Kriterien der Kosten- und Qualitätstransparenz auswählen können – ganz dem Prinzip der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Leistungen verpflichtet.
Monistische Spitalfinanzierung: In der aktuellen Spitalfinanzierung teilen sich Kantone und Versicherer die Spitalkosten. Beim monistischen Vergütungssystem bezahlt ein einziger Kostenträger die Leistungen. Verzerrungen zwischen ambulanten und stationären Spitalleistungen würden so verschwinden und Interessenkonflikte der Kantone – als Zulassungsbehörde, Spitalplaner, Einkäufer und Tariffestsetzungsbehörde – aufgehoben.
Für die Verfeinerung des Risikoausgleichs: Mit dem neuen Risikoausgleich ab 2010 wird neben den Risikofaktoren Alter und Geschlecht auch der Faktor Gesundheitszustand in die Ausgleichszahlungen einbezogen. Ein verfeinerter Risikoausgleich ermöglicht es Versicherern, sich im Interesse der Versicherten stärker zu engagieren – bei der Prävention und Behandlung.
Warum steigen die Prämien stärker als die Kosten?
Seit 2007 decken die Prämien die Kosten nicht mehr. Für den überdurchschnittlichen Prämienanstieg 2010 verantwortlich ist eine kurzfristige orientierte Politik, die in den vergangenen Jahren politische Prämien durchgesetzt hat, welche die Gesundheitskosten nicht decken. Die Kassen wurden auf Druck des Bundesrates in den Jahren 2008, 2009 und 2010 gezwungen, zu tiefe, also nicht kostendeckende Prämien zu verlangen. Für die politisch zu tief festgesetzten Prämien der letzten Jahre gibt es einen Nachholbedarf.
Fehlende Prämieneinnahmen = hohe Verluste und mangelnde Reserven: Die zu tief festgesetzten Prämien verursachen hohe Verluste. Für die Jahre 2008 und 2009 wird ein Defizit von 2,2 Milliarden Franken erwartet. Bis 2009 konnten die Kassen diese durch unzureichende Prämieneinnahmen entstandenen Verluste mit dem Abbau ihrer Reserven decken. 2010 sind die Reserven der Kassen unter das gesetzliche Minimum gesunken. Ein weiterer Reservenabbau ist somit nicht möglich.
Folgen zu tiefer Prämieneinnahmen = Nachholbedarf: Die politische Tiefhaltung der Prämien zieht wegen zu geringen Prämieneinnahmen allein für die Jahre 2008 und 2009 einen Nachholbedarf von rund 7 bis 8 Prozent nach sich. Hinzu kommen jährliche Kostensteigerungen von 4 bis 5 Prozent. Ausserdem empfiehlt sich eine Aufstockung der Reserven auf das gesetzliche Minimum, was zusätzliche Prämieneinnahmen erforderlich macht.
Um die Gesundheitskosten zu decken, braucht es kostendeckende Prämien. Prämien sollten in Zukunft nicht mehr politisch, sondern versicherungstechnisch festgelegt werden. Prämien müssen das steigende Kostenniveau medizinischer Leistungen decken. Sie müssen den Kosten angepasst werden.
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