
Man kann so weit zurückgehen wie man will: immer wieder ist in den Protokollen der Generalversammlungen von santésuisse zu lesen, dass das Kostenwachstum – und damit natürlich auch die Prämienentwicklungen – der Hauptgrund zur Sorge sind. Daran haben weder das KVG noch all die vielen «Notinterventionen» ernsthaft etwas ändern können, und man muss leider festhalten: Es bleibt beim Alten! Und dennoch hat es in den vergangenen 23 Jahren, welche ich aus nächster Nähe bei santésuisse miterleben konnte, einige bemerkenswerte Veränderungen gegeben. Mit den betriebswirtschaftlich gerechneten Tarifen und der damit verbundenen Transparenz wurde die Hoffnung verbunden, die Kosten im Gesundheitswesen könnten positiv beeinflusst werden. Echte Transparenz wurde dann mit der Leistungsorientierten Abgeltung der Apotheker (LOA) eingeführt. Was ist passiert? Ausgerechnet die KonsumentenvertreterInnen haben am lautesten über die offen gelegten und berechneten Kosten reklamiert.
Und die betriebswirtschaftlich gerechneten Tarife? Sie führten hüben wie drüben zu Ernüchterung, Frustration und einer noch nie da gewesenen Flut von Beschwerden, zunächst an den Bundesrat, ab 2007 dann an das Bundesverwaltungsgericht. Auch hier sind die Grundprobleme geblieben, die Hoffnungen nicht erfüllt worden!
Auch von der Qualitätssicherung hat man sich einiges erwartet. Die Leistungserbringer sahen darin ein Argument zur Erhöhung der Tarife und Preise, dann wurde fleissig die Opposition geübt und heute, nach bald 15 Jahren seit Einführung des KVG, muss der Bund in einem über 100-seitigen Papier bekannt geben, was die Ziele sind. Und die Versicherer wollten eine Verstärkung des Wettbewerbs und die Sicherheit, die Prämien in effiziente und gute Leistungserbringer zu investieren. Bis dieses Ziel erreicht wird, bleibt noch viel zu tun.
Mit den steigenden Prämien mutiert die soziale Krankenversicherung in den Augen der Prämienzahlenden immer mehr zu einem Selbstbedienungsladen nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Es gilt das Motto: «Jetzt habe ich jahrelang Prämien bezahlt, sparen kann ich, wenn ich gesund bin!». Trotz all der angestrebten und erhofften Verbesserungen ist das Grundübel geblieben: gemeinsame Vorgehensweisen mit echten Sparanreizen fehlen. So werden wir voraussichtlich auch in den nächsten GV-Protokollen von den Kostenentwicklungen lesen.
Daniel Wyler, Leiter SVK, stv. Leiter Abteilung Ausbildung von santésuisse