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01.09.2013

Familien werden überproportial durch Prämien belastet

Familien mit Kindern, Jugendlichen und ältere Menschen werden durch die Prämien überproportional belastet. Dies zeigt eine Studie des Büro BASS im Auftrag von santésuisse, welche die Prämienlast für verschiedene Haushalte ermittelt hat. Aufgrund der Resultate schlägt santésuisse ein Massnahmenpaket vor, das gezielt einen Teil dieser Haushalte unterstützen soll.

Ziel der Studie «Gesundheitsreform – für tragbare Prämien» vom Büro für Arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) ist, einerseits die aktuelle Belastung verschiedener Haushalte wie etwa Singles, Familien mit Kindern und weitere Haushaltsformen durch die Krankenkassenprämien zu ermitteln. Andererseits analysiert sie, wie sich diese Belastung ändert, wenn man an einzelnen Steuerungsmechanismen Änderungen vornimmt (Prämienrabatte, individuelle Prämienverbilligung (IPV), Risikoausgleich). Zudem zeigt sie auf, welche Veränderungen zur Lösung von Problemen übermässiger Belastung beitragen können und welche nicht. Dies ermöglicht es, gezielte Lösungen zu finden.

Familien mit Kindern und Jugendlichen stark belastet
Das Solidaritätsprinzip, auf dem die obligatorische Krankenversicherung beruht, wird in Frage gestellt, weil besonders Familien mit Jugendlichen sowie Familien mit Kindern unter einer zu hohen Prämienbelastung leiden. Familien mit Jugendlichen müssen acht Prozent des verfügbaren Einkommens (Nettoeinkommen minus Steuern plus allfällige Prämienverbilligung) für die Prämien aufwenden. Bei Familien mit Kindern ohne Jugendliche sind es 7,4 Prozent. Auch Haushalte mit Personen im AHV-Alter sind relativ stark belastet (im Durchschnitt acht Prozent des verfügbaren Einkommens). Dies kommt vor allem daher, dass Personen im AHVAlter ein höheres Gesundheitsrisiko aufweisen also «kränker sind» als die übrige Bevölkerung. Deshalb wählen sie eine tiefere Franchise und zahlen in der Folge höhere Prämien. Das gilt auch für Personen mit hohem Gesundheitsrisiko (7,7 Prozent). Am wenigsten stark belastet sind Single-Haushalte (sechs Prozent) sowie Paare ohne Kinder (6,9 Prozent).
Nach Einkommensklassen ist die Belastung für die Haushalte im unteren Mittelstand am stärksten (8,5 Prozent). Der Grund dafür ist, dass bei diesen der Umfang bzw. der Betrag der individuellen Prämienverbilligungs-Leistungen relativ klein ist. Bei einkommensschwachen Haushalten hingegen ist ein grosser Anteil der Prämien durch die IPV gedeckt. Die Belastung beträgt für ungefähr 30 Prozent aller Haushalte mehr als acht Prozent.

Drei Lösungen zur Entlastung
santésuisse ist sich bewusst, dass eine zu hohe Prämienlast am Grundsatz der Solidarität in der Grundversicherung nagt und möchte daher einen Beitrag leisten, um Haushalte zu entlasten, die besonders unter der Prämienlast leiden. Dabei stehen die in der Studie BASS vorgeschlagenen drei versicherungstechnisch korrekten Massnahmen im Vordergrund. Sie sind einfach umsetzbar und wirken. Ausserdem sind sie einfach umzusetzen: Verfeinerung des Risikoausgleichs, höhere Rabatte für junge Erwachsene und mehr Mittel zur Senkung der Kinderprämien.

Verfeinerung des Risikoausgleichs
Erstens soll der Risikoausgleich – vorzugsweise mit Morbiditätsindikatoren wie etwa dem Medikamentenbedarf – weiter verfeinert werden. Dadurch werden gezielt ältere und kranke Versicherte entlastet. Zusätzlich erhalten dadurch die Versicherer einen stärkeren Anreiz, sich weiterhin für den Ausbau der Angebote der integrierten Versorgung zu engagieren. Durch die Verfeinerung des Risikoausgleichs werden die Steuerzahler nicht belastet.

Prämienrabatt für Jugendliche
Zweitens soll der Prämienrabatt für Jugendliche (im Vergleich zur Erwachsenenprämie) auf 50 Prozent erhöht werden können. Der Versicherer erhält auch beim Risikoausgleich einen entsprechenden Rabatt für Jugendliche. Dadurch werden gezielt Haushalte mit Jugendlichen entlastet. Die Vorteile: Jugendliche werden nicht zu schlechten Risiken und die Solidarität bleibt unangetastet.

Mehr individuelle Verbilligung der Prämien für Familien
Drittens soll bei der IPV speziell für Familien eine zweite, höhere Einkommensgrenze eingeführt werden, welche zum Bezug von Prämienverbilligung berechtigt. Dadurch werden gezielt einkommensschwache Familien mit Kindern und Alleinerziehende entlastet. Durch den bedürfnisgerechten Ausbau der IPV wird die Solidarität gewahrt, weil nicht nach dem Giesskannen-Prinzip verfahren wird: Das Versicherungsprinzip bleibt erhalten, weil es sich nicht um eine Befreiung von den Kinderprämien handelt und Kinder somit nicht zu schlechten Risiken werden. Die IPV sollte auch zur Entlastung des unteren Mittelstands geprüft werden. Dies kann erreicht werden, indem die Bedingungen, um IPV zu erhalten, gelockert werden. Dadurch erhalten mehr Haushalte mit wenig Einkommen IPV und diejenigen, die IPV bekommen, erhalten einen höheren IPV-Betrag, und werden somit entlastet. Mit dieser Massnahme würden die einkommensschwachen Haushalte und die Haushalte des unteren und des mittleren Mittelstands durch Steuergeld entlastet. Haushalte im oberen Mittelstand und einkommensstarke Haushalte müssten hingegen mehr Steuern bezahlen.
Weitere geprüfte Massnahmen zur Entlastung von Familien – eine Prämienerhöhung von zehn Prozent für Personen ab 65 Jahren oder eine Prämienreduktion von zehn Prozent für Personen bis 44 Jahre – haben zu keiner wesentlichen Entlastung von aktuell stark belasteten Haushalten geführt und sind deshalb wenig zielführend.

Die Berechnungen haben insgesamt gezeigt, dass eine Kombination von zwei Massnahmen den grössten Nutzen bringt und dazu führt, dass sowohl der untere Mittelstand als auch Familien mit Kindern und/oder Jugendlichen entlastet werden können: Erstens die Finanzierung der Kinderprämien über die IPV und zweitens ein Prämienrabatt für Jugendliche, kombiniert mit einem Rabatt beim Risikoausgleich für Jugendliche von jeweils 50 Prozent. Bei der Umsetzung beider Massnahmen werden vor allem solche Haushalte stärker belastet, bei denen aktuell die Belastung vergleichsweise tief ist (z. B. Single-Haushalte).

ALAIN VIOGET

Die Studie kann als PDF heruntergeladen werden: www.santesuisse.ch – Presse – Communiqués – Communiqué vom 16.8.2013

 

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Vorschläge von santésuisse in Kürze

  • Verfeinerung des Risikoausgleichs, indem als weiteres Kriterium die Morbidität anhand des Medikamentenbedarfs berücksichtigt wird.
  • Erhöhung des Rabattes für junge Erwachsene (18- bis 25-Jährige) auf 50 Prozent und Gewährung des Rabattes auf den Zahlungen in den Risikoausgleich
  • Individuelle Prämienverbilligung für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten verstärken