Medikamentenpreise im Allzeithoch

infosantésuisse-Artikel


01.02.2017

Medikamentenpreise im Allzeithoch

Der Durchschnittspreis einer Medikamentenpackung auf der Spezialitätenliste hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Eine besorgniserregende Entwicklung, auf welche die Krankenversicherer nur wenig Einfluss haben.

Die Spezialitätenliste (SL) umfasst alle in der Grundversicherung vergüteten Medikamente. Für die Krankenversicherer gelten die Publikumspreise, als Entgelt für die Herstellungskosten und den Vertrieb (Apotheke, Arzt, Spital, Grossist). Als Indiz für die Preisentwicklung im Medikamentenmarkt kann der Durchschnittspreis einer Packung betrachtet werden, unter Ausklammerung der abgesetzten Menge. Dieser Durchschnittspreis berechnet sich als Summe aller Preise, dividiert durch die Anzahl Packungen.
In der Grafik wird die kontinuierliche Steigerung des durchschnittlichen Preises pro Medikamentenpackung von 104 Franken im Jahr 2003 auf 211 Franken im Januar 2017 dokumentiert. Generell kann diese Entwicklung erklärt werden mit der Einführung neuer Packungen, die über dem Durchschnitt der Preise bisheriger Packungen liegen. Mehr und mehr haben die Medikamente zudem ein «orphan drug label». Das heisst, sie werden zur Behandlung seltener Krankheiten eingesetzt, für die andere Registrierungs- und Preisbildungsregeln gelten.

Durchschnittspreis pro Packung auf der Spezialitätenliste

 

 

Unbefriedigende, preistreibende Mechanismen

Betrachtet man diese Entwicklung, so stellt sich unweigerlich die Frage, ob im Medikamentenbereich die Kriterien Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit gemäss dem Willen des Gesetzgebers konsequent umgesetzt werden. Und ob neue Medikamente, in Relation zu ihren Kosten, einen vergleichbaren Nutzen generieren und ihren – oft hohen – Preis wert sind. Preistreibend ist zudem die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren laufend neue Medikamente in die Spezialitätenliste aufgenommen wurden, es aber kaum zu Streichungen, sogenannten Ablistungen, gekommen ist.
Positiv zu werten ist in diesem Zusammenhang das neu eingeführte «Health Technology Assessment»-Programm (HTA) des Bundes. Ein Instrumentarium, das eine systematische Überprüfung der Aufnahmekriterien neuer Medikamente in die SL erlaubt. Geprüft wird allerdings nur auf Antrag und in ausgewählten Fällen. Bis zum Resultat einer möglichen Ablistung oder Einschränkung der Anwendung können jeweils gut und gerne drei Jahre verstreichen. Das ist wesentlich länger als die Bearbeitungszeit eines Antrags beträgt, um ein Medikament in die Spezialitätenliste aufzunehmen. Kommt hinzu, dass der Entscheid über Aufnahme und Preisfestsetzung ausschliesslich beim Bundesamt für Gesundheit liegt. Krankenversicherer haben die Entscheide zu akzeptieren – eine Rekursmöglichkeit existiert nicht.

Dr. Andreas Schiesser

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