Patentrezepte zur Kostensenkung

infosantésuisse-Artikel


16.11.2016

Patentrezepte zur Kostensenkung

Ende September hat das Bundesamt für Gesundheit für 2017 eine durchschnittliche Erhöhung der Standardprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung von 4,5 Prozent kommuniziert. Die Reaktionen auf die Meldung waren heftig – wie jedes Jahr. Das Wort Prämienschock dominiert seither die Medienlandschaft. Politikerinnen und Politiker sämtlicher Couleur sind sich einig, dass es «so nicht weitergehen kann», und die Versicherten stellen sich die bange Frage, wie sie den neuerlichen Prämienanstieg finanziell verkraften sollen. Wie weiter also?

Die Prämienerhöhungen für das Jahr 2017 waren – einmal mehr – eine Hiobsbotschaft mit Ankündigung. Sozusagen nach dem Motto: «the same procedure as every year». Versicherungsverbände, Gesundheitsdirektoren, Vergleichsportale und Statistiker, sie alle haben schon früh im Jahr darauf hingewiesen, dass die Gesundheitskosten erneut steigen werden. Denn der Mechanismus ist immer derselbe: Aus Kosten werden Prämien; das schleckt keine Geiss weg.

Der jährliche kollektive Aufschrei

Es liegt in der Natur der Sache, dass die jährliche Prämienerhöhung – gerade wenn sie massiv ist – all diejenigen auf den Plan ruft, die wissen, oder glauben zu wissen, wie der Teufelskreis von stetig steigenden Gesundheitskosten und Versichertenprämien durchbrochen werden kann. Und wenn Versicherte, Versicherer, Patientenorganisationen und Politiker der Meinung sind, dass «es so definitiv nicht mehr weitergeht », so ist dies im Grunde genommen positiv zu werten. Bleibt die Frage, wie dem stetigen Kostenwachstum begegnet werden kann. Oder wie der kollektive Aufschrei nachhaltig zur Systemoptimierung genutzt werden kann. Rezepte hierfür gibt es zuhauf, wobei auffällt, dass sie immer auch etwas mit Schuldzuweisungen zu tun haben. Wenn zu hohe oder nicht mehr zeitgemässe Arzttarife, überrissene Medikamentenpreise, unnötige Werbekosten der Krankenversicherer, ineffiziente Spitalplanungen oder die fehlende Selbstverantwortung der Patienten ins Feld geführt werden, so sind die Schuldigen leicht ausgemacht. Was ausserdem auffällt: Die Vorschläge zur Kosteneinsparung widerspiegeln immer auch Parteiprogramme und die Befindlichkeiten einer Branche, Organisation oder Berufsgattung. 

Kein Aufbruch ohne Risiken und Nebenwirkungen

Stellt sich also die Frage, wie weiter? Lässt sich das Momentum der kollektiven Empörung über stetig steigende Kosten  und entsprechende Prämien-Höhenflüge nutzen? Ein Blick in die Rezeptblöcke der am Gesundheitssystem beteiligten Exponenten ist aufschlussreich; die Behandlungsvorschläge lassen – je nach Standpunkt – hoffen und bangen zugleich. Eines ist sicher, jede Medizin birgt die Gefahr von Risiken und Nebenwirkungen. Konkret: Ohne den Blick auf das Ganze, ohne gegenseitige Annäherung, Kompromisse oder Abstriche wird eine Systemoptimierung schwierig, um nicht zu sagen unmöglich. Sind die betroffenen Exponenten heute dazu nicht in der Lage, wird es für die Medienschaffenden im September 2017 einfach. Mit «copy-paste» der diesjährigen Schlagzeilen wird sich die Berichterstattung erledigen lassen.

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