Novemberkongress 2016: Schlechte Qualität darf Krankenversicherungsprämie nicht belasten

Medienkonferenz


15.11.2016

Novemberkongress 2016: Schlechte Qualität darf Krankenversicherungsprämie nicht belasten

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung muss heute Leistungen in Milliardenhöhe vergüten, die keinen Mehrwert für die Patienten haben. Dies bedeutet eine untragbare Situation zu Lasten der Prämien- und Steuerzahler. An ihrem jährlich stattfindenden «Novemberkongress» stellte santésuisse einen Massnahmenkatalog vor, um dieses Malaise zu korrigieren.

Bewegung tut not. Im Hinblick auf das fortschreitende Mengen- und Kostenproblem im Gesundheitssystem sind zielführende Reformen das Gebot der Stunde. Darüber waren sich Referenten wie Teilnehmende am Novemberkongress «Gesundheit 2020+» einig; eine Veranstaltung, zu der santésuisse eingeladen hat.

Die zentrale Rolle der medizinischen Qualität

Bewegung fordert santésuisse ganz konkret im Bereich der medizinischen Qualität. Aufgrund der Tatsache, dass die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) jedes Jahr mehrere Milliarden Franken für überflüssige, ungenügend koordinierte oder schädliche Behandlungen bezahlen muss – die Experten sprechen von rund 20 Prozent der Kosten – verlangt santésuisse eine zügige Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG). Die systematische Etablierung und Durchsetzung der Qualitätssicherung und -messung muss auch im ambulanten Bereich erfolgen. Eine paritätisch zusammengesetzte nationale Kommission soll sich umfassend mit Qualitätsfragen befassen und dem EDI entsprechende Vorschläge und Massnahmen unterbreiten, die der Bund als verbindlich erklären kann.

Lockerung des Vertragszwangs: Notwendige Grundlage für bessere Qualität und Effizienz

Die Krankenversicherer sind von der Finanzierungspflicht unnötiger und schädlicher Leistungen zu entbinden. Mit dieser Forderung von santésuisse geht zwingend eine Lockerung des Vertragszwangs einher. National erhobene und publizierte Qualitätsdaten sollen künftig die Basis für die vertragliche Bindung mit einem Leistungserbringer bilden. Nur wenn ungenügende Qualität nicht mehr vergütet werden muss, können künftig die Milliardenausgaben ohne Mehrwert für die Patienten vermieden werden.

Enormes Potenzial

«Die Qualität ist der Schlüssel zur Vermeidung von überflüssigen Leistungen und zu einer langfristig bezahlbaren Krankenversicherung», sagt Verena Nold, Direktorin von santésuisse. Die kontinuierliche, national einheitliche Messung der medizinischen Qualität – kombiniert mit einer Lockerung des Vertragszwangs – verbessert nicht nur die Qualität unseres Gesundheitssystems, sondern umfasst auch ein jährliches Einsparpotenzial von fünf bis sieben Milliarden Franken. Dies jetzt nicht dringend an die Hand zu nehmen, wäre unverantwortlich. Bereits heute können viele Familien ihre Krankenversicherung nicht mehr selber bezahlen und die finanziellen Auswirkungen der demografischen Alterung stehen erst noch bevor.