Wie viele Ärzte braucht das Land?

infosantésuisse-Artikel


01.02.2017

Entwicklung der Ärztezulassungen 2016

Wie viele Ärzte braucht das Land?

Diese Frage beschäftigt die Gemüter seit Jahren. Nicht zuletzt, weil die hohe Ärztedichte in der Schweiz für die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen mitverantwortlich gemacht wird. infosantésuisse hat einen Blick in die jüngste Statistik der PraxisZulassungserteilungen geworfen.

Im Juni 2016 hat das Parlament die Zulassungsbeschränkung für Ärztinnen und Ärzte per Dringlichkeitsbeschluss um weitere drei Jahre verlängert. Damit soll in erster Linie der Zustrom von Medizinern aus dem Ausland eingedämmt werden. An die Verlängerung ist die Bedingung geknüpft, dass der Bundesrat bis 2019 eine dauerhafte Lösung präsentiert, wie er die Zulassung von Ärzten künftig sinnvoll und bedarfsgerecht steuern will.

Begehrte ZSR-Nummern

2016 wurde in der Schweiz insgesamt 1252 Ärztinnen und Ärzten die Bewilligung erteilt, ihre Leistungen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abzurechnen. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 15 Prozent. Generell lässt sich sagen, dass die Zahl der neu zur OKP-Abrechnung zugelassenen Ärzte zwar noch immer jedesJahr kontinuierlich steigt, dass die Spitzenwerte der Jahre 2012 und 2013 – die Zulassungsbeschränkung wurde damals für anderthalb Jahre aufgehoben – mit Steigerungsraten von über 130 Prozent nicht mehr erreicht wurden. Die vollständige ZSR-Statistik ist abrufbar unter www.sasis.ch > Zahlstellenregister (ZSR).

ENTWICKLUNG VERGABE ZSR-NUMMERN 2003 – 2016

Weniger Ärzte aus Deutschland

Spitzenreiter bei den Neuzulassungen ausländischer Ärzte ist nach wie vor Deutschland. Wobei der Trend rückläufig ist. 2015 wurde 291 Ärztinnen und Ärzten aus Deutschland eine Praxisbewilligung erteilt, ein Jahr später waren es noch 270. Ein Aufwärtstrend ist hingegen bei Ärzten aus Frankreich (+20%) und Italien (+32%) zu verzeichnen, allerdings anzahlmässig auf eher tiefem Niveau. Stagnierende Zulassungen bei den Hausärzten Betrachtet man die Entwicklung der einzelnen Facharztgruppen, so fällt auf, dass vor allem die Zulassungserteilungen in der Kinder- und Jugendmedizin um 68 Prozent zugenommen haben; 2016 wurden 94 neue Praxisbewilligungen erteilt. Das gleiche gilt für die Kinder- und Jugendpsychiatrie, mit einem Zuwachs von 65 Prozent. Nach wie vor hohe Wachstumsraten sind auch bei den folgenden Fachrichtungen zu verzeichnen:

• Gynäkologie und Geburtshilfe: +47%
• Ophthalmologie: +34%
• Chirurgie: +26%

Mit 240 Neuzulassungen stagniert hingegen die Zahl der Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeine innere Medizin.

Was nützts?

Zwei Fragen bleiben: Erstens, ob und wie sich die Zulassungsbeschränkung auf die Kostenentwicklung in der obligatorischen Grundversicherung (OKP) auswirkt; der Kostenvergleich zwischen Kantonen mit und ohne Einschränkungen zeigt keine signifikanten Unterschiede. Zweitens muss der vielbeschworene Ärztemangel hinterfragt werden. Der Bundesrat hat in seiner Antwort auf die Interpellation 16.3821 «Ärztemangel als wirkliches Problem?» von Nationalrat Heinz Brand die Ansicht geäussert, dass sich die Schweiz «im Allgemeinen eher in einer Überversorgungssituation befindet», bei bekanntermassen grossen Unterschieden von Kanton zu Kanton. Vor diesem Hintergrund sind Bundesrat und Parlament gefordert, eine Lösung zu entwickeln, welche die künftige Arztzulassung auf Qualitäts- und Effizienzkriterien der ärztlichen Tätigkeit abstützt.

Susanne Steffen

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