Ambulante Versorgungsstruktur und Bedarfsanalyse Schweiz

Studie


17.09.2018

Studie von santésuisse

Ambulante Versorgungsstruktur und Bedarfsanalyse Schweiz

Management Summary

Die Versorgung der Bevölkerung mit ärztlichen Leistungen ist für das Gesundheitswesen zentral. Die Leistungsfähigkeit hängt nicht zuletzt davon ab, dass für die Bevölkerung der bedarfsgerechte Zugang zu ärztlichen Grundversorgern wie auch zu Spezialisten sichergestellt ist.

Ziel des vorliegenden Berichts ist es, das erforderliche Ärzteangebot anhand einer Bedarfsanalyse für ein Basis- und ein Zieljahr zu schätzen, um anschliessend eine Aussage zur Über- oder Unterversorgung in den ambulanten Versorgungsregionen pro Facharztgruppe für das Basis- und ein Zieljahr machen zu können.

Die Ergebnisse in diesem Bericht zeigen auf, dass mit relativ einfachen Mitteln die ambulante Versorgungssituation beurteilt werden kann. Die in diesem Bericht vorgestellte Methode zur Beurteilung von regionaler Über- und Unterversorgung bildet einen wichtigen Bestandteil des santésuisse-Ansatzes zur Versorgungsplanung und -steuerung im ärztlich ambulanten Bereich.

Beim diesem Ansatz soll der Vertragszwang nach transparenten Kriterien gelockert werden, um letztlich eine Versorgungsplanung und -steuerung zu erreichen, bei der die Qualität der Leistungserbringer und der Preis der Leistungserbringung eine stärkere Rolle spielen.

Folgende Eckwerte einer wettbewerblichen Versorgungsplanung und -steuerung werden dabei berücksichtigt.

     

  • Schaffen von überkantonalen Versorgungsregionen: Eine zweckmässige Beurteilung der Versorgungssituation sowie eine Versorgungsplanung und -steuerung der Ärzte ist nur in überkantonalen Versorgungsregionen mit überkantonalen Steuerungsinstanzen möglich. Die dominierende planwirtschaftliche Rolle der Kantone muss daher mittel- bis langfristig reduziert werden. Einerseits stellen Kantone zu kleine geografische Einheiten mit zu wenig Bewohnern dar, andererseits nehmen die Patientenströme keine Rücksicht auf Kantonsgrenzen. Für jede Facharztgruppe sind eigene Versorgungsregionen zu definieren.
  • Definition der optimalen Versorgung (politische gewünschte Ärztedichte): Der Bund gibt Richtwerte oder Bandbreiten (Ober- und Untergrenzen) für die Ärztedichte pro Versorgungsregion und Facharztgruppe vor, die es umzusetzen gilt.
  • Anpassung der regionalen Versorgung an das Optimum: Verschiedene Möglichkeiten zur Umsetzung sind denkbar in Regionen, deren Versorgung über dem Optimum liegt:
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    • Differenzierung der Taxpunktwerte: Bei Überschreiten der definierten Zahl sinkt der Taxpunktwert sukzessive, bis die Zahl der Ärzte in der politisch vorgegebenen Bandbreite liegt.
    • Qualitätsorientierte Auswahlkriterien: In Regionen mit Überversorgung werden nur Ärzte unter Vertrag genommen, die bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen.
    • Neuzulassungen: In Regionen mit Überversorgung besteht bei Neuzulassungen kein Kontrahierungszwang. Ärzte, die neu zulasten der OKP abrechnen wollen, dürfen das nur dann, wenn sie mit dem Versicherer des Patienten einen Vertrag abgeschlossen haben. Ansonsten bleibt die Möglichkeit der Abrechnung durch eine Zusatzversicherung oder durch Selbstzahler.
    • Auktion: Die vorgegebene Zahl der Bewilligungen zur Abrechnung zulasten der OKP werden in einem Auktionsverfahren vergeben.
    • Beschränkter Vertragszwang: In überversorgten Regionen ist der Versicherer nur verpflichtet, diejenige Anzahl an Ärzte unter Vertrag zu nehmen, die für eine ausreichende Versorgung erforderlich ist.
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Unabhängig davon, wie wettbewerblichen Versorgungsplanung und -steuerung im ambulanten Bereich ausgestaltet wird, muss die Versorgungssituation sachgerecht beurteilt werden, damit eine mögliche «Über- oder Unterversorgung» festgestellt werden kann. Dieser Bericht erarbeitet die Grundlagen dazu.

 

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Weiterführende Informationen

Artikel im infosantésuisse 2/18:

Eindeutige Tendenz zur Überversorgung

Artikel in der NZZ vom 17.09.18

NZZ - Der Schweiz droht eine teure Überversorgung mit Ärzten