Kommt jetzt der Durchbruch?

infosantésuisse-Artikel


01.09.2018

Einheitliche Finanzierung

Kommt jetzt der Durchbruch?

Werden die Kantone die ambulanten Gesundheitsleistungen künftig mitfinanzieren? Die Signale aus der Gesundheitsdirektorenkonferenz sind ein Lichtblick. Aber wie realistisch sind die Auflagen, die mit dem jetzt kommunizierten Reformwillen verknüpft sind?

Wer das Schweizer Gesundheitssystem – oder zumindest Teile davon – reformieren will, braucht einen langen Atem. Bester Beweis hierfür ist das jahrelange Ringen um ein neues Finanzierungsmodell für die ambulanten und stationären Leistungskosten. Die heutige Regelung, wonach die Kantone 55 Prozent der Kosten für stationäre Behandlungen übernehmen, sich hingegen an den stetig wachsenden Kosten im ambulanten Bereich nicht beteiligen, führt erwiesenermassen zu Fehlanreizen und zu einer unnötigen Verteuerung des Systems. Damit verhindert die heutige Regelung, dass die Verlagerung häufig durchgeführter operativer Eingriffe in den ambulanten Bereich rasch vorankommt und sich positiv auf das Gesamtsystem auswirkt.

Und sie dreht sich doch

Im Gegensatz zu allen anderen gewichtigen Akteuren im Gesundheitswesen, hat sich die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) bis dato vehement dagegen gewehrt, ambulante und stationäre Leistungen zu gleichen Teilen zu finanzieren. Dies mit der Begründung, ein Systemwechsel sei nicht mehr als eine aufwändige Kostenverschiebungsmassnahme ohne Mehrwert. Doch jetzt kommt Bewegung ins Dossier. An ihrer Jahresversammlung Ende Mai 2018 hat die GDK beschlossen, Hand zu bieten für eine «tragfähige Lösung für die gleiche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen».

Kehrtwende mit Auflagen

Allerdings ist das Angebot nicht frei von Auflagen – und die wiederum haben es in sich: Die GDK verlangt unter anderem eine Steuerungsmöglichkeit der Kantone bei der ambulanten Versorgung und will zudem die Leistungen von Pflegeheimen und Spitexorganisationen in das neue Finanzierungsmodell einbeziehen. Dies dürfte für die Krankenversicherer eine nur schwer zu schluckende Kröte sein. Entsprechend mit Spannung erwartet werden die nun folgenden Gespräche, Verhandlungen, Kompromisse und runden Tische. Soviel ist sicher, die einheitliche Finanzierung ist eine «affaire à suivre». (SST)

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