Patienten halten sich nicht an Kantonsgrenzen

Brennpunkt-Artikel


01.09.2017

Ambulante Versorgung muss überkantonal gesteuert werden

Patienten halten sich nicht an Kantonsgrenzen

Eine kantonale Steuerung der ambulanten Versorgung ist nur in der Grundversorgung sinnvoll. In den weniger häufig konsultierten Facharztgruppen kann die Ärztedichte nur mit kantonsübergreifender Angebotskoordination optimiert werden. Dies ist die Grundlage für eine bezahlbare und qualitativ bessere Versorgung.

Eine von santésuisse durchgeführte Analyse der Patientenströme zeigt, dass eine Versorgungsplanung innerhalb der Kantonsgrenzen nur sinnvoll ist für die häufig aufgesuchten Facharztgruppen wie Grundversorger und Spezialisten mit wohnortnaher Versorgung, zum Beispiel Psychiatrie oder Gynä- kologie. Bei den seltener beanspruchten Facharztgruppen dehnen sich die Versorgungsregionen geografisch weiter aus. Eine zweckmässige und umfassende Steuerung der ambulanten Versorgungssituation müsste in diesen Fällen überkantonalen Instanzen übertragen werden.

Bund soll Richtwerte für Ärztedichte definieren

Um die Ärztedichte zu optimieren, wären je nach Versorgungsregion grössere Anpassungen nötig. Um dem «Kantönligeist» entgegenzuwirken gibt der Bund Richtwerte oder Bandbreiten mit Ober- und Untergrenzen für die Ärztedichte pro Versorgungsregion und Facharztgruppe vor. Die Kantone organisieren sich in Versorgungsregionen – also überkantonal – und setzen die Vorgaben des Bundes um. Wird die erwünschte Ärztedichte erreicht, dürfen zwar weitere Ärzte in den Versorgungsregionen tätig werden. Diese zusätzlichen oder «neuen» Ärzte werden nicht automatisch durch die OKP vergütet. Tarifverträge werden in diesem Fall individuell zwischen Versicherern und Ärzten ausgehandelt. Für die Versicherer ist die Outcomequalität entscheidend für die Beurteilung, ob mit einem bestimmten Arzt verhandelt werden soll oder nicht. Damit die Outcomequalität anwendbar wird, muss sie auf Leistungserbringerebene systematisch und flächendeckend erhoben und publiziert werden. Eine entsprechende Durchlässigkeit zwischen den beiden Ärztekategorien sorgt für einen angemessenen Qualitätswettbewerb.

Ansprechpartner