Schlusslicht Schweiz

infosantésuisse-Artikel


01.09.2018

Tiefer Marktanteil von Generika kostet Prämienzahler Hunderte Millionen

Schlusslicht Schweiz

Der Anteil der Generika am Medikamentenumsatz wie auch an den verkauften Packungen liegt deutlich unter dem OECD-Durchschnitt.

Schlusslicht Schweiz

Tiefer Generikaanteil und wenig Dynamik im Schweizer Markt

«Mit 18 Prozent Anteil am Umsatz und 22 Prozent an der Menge bleibt der Einsatz von Generika in der Schweiz einer der tiefsten im OECD-Raum», schreibt die OECD in ihrem Länderbericht «Health at a Glance 2017»1. Immerhin stieg der Generikaanteil an der Gesamtmenge in der Schweiz zwischen den Jahren 2000 und 2015 von sechs auf 22 Prozent. Dass jedoch deutlich mehr drin liegt, hat Portugal vorgemacht. Dort erhöhte sich im gleichen Zeitraum der Generikaanteil an der Gesamtmenge von 0 auf 47 Prozent. Entscheidend für die Höhe des Generikaanteils sind, gemäss einer Studie2 der OECD; Hindernisse beim Marktzugang, Freiheit bei der Preisgestaltung und Anreize der Leistungserbringer, Generika zu verschreiben beziehungsweise abzugeben, sowie Anreize der Patienten Generika zu konsumieren. Insbesondere bei den Anreizen auf Seiten den Verkäufer hinkt die Schweiz den meisten europäischen Ländern hinterher. Der vom Regulator ausgestaltete Vertriebsanteil, welcher die Aufwendungen des Arztes, Apothekers und Spitals beim Verkauf einer Medikamentenpackung regelt, ist stark preisabhängig. Es gilt in den meisten Fällen: Je teurer die Packung, desto grösser der Verdienst des Verkäufers. Für den Arzt besteht in der Schweiz heute kein verbindlicher Zwang und eben auch kein finanzieller Anreiz, ein günstigeres Generikum zu verschreiben. Aktuell verdient der Arzt weniger, wenn er ein günstiges Generikum abgibt. Lediglich Patienten profitieren beim Bezug eines Generikums von einer tieferen Kostenbeteiligung an den die Franchise übersteigenden Kosten. Diese Massnahmen genügen jedoch offensichtlich nicht, um den Generikaanteil markant zu erhöhen. Immerhin könnte gemäss OECD, bis zu einer Anpassung des Vertriebsanteils, eine bessere Patientenaufklärung mittels Informationskampagnen über die Gleichwertigkeit von Generika eine merkliche Verbesserung der Situation herbeiführen. (PRH)

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