Standpunkt von Heinz Brand in der Südostschweiz vom 15. August 2018

Standpunkt


15.08.2018

Standpunkt: Bundesbern bewegt sich

Standpunkt von Heinz Brand in der Südostschweiz vom 15. August 2018

Leider steht es mit der Qualität, welche für die Bevölkerung gemäss Umfragen absolute Priorität hat, nicht immer zum Besten. An einer Zürcher Klinik wurden einer betagten Patientin kürzlich ohne weitere Abklärungen mehrere Organe entnommen. An einer Tessiner Klinik entfernte ein Chirurg ohne Sicherheitscheck der falschen Patientin beide Brüste. Die meisten Fälle solch schlechter Medizin gelangen nicht an die Öffentlichkeit. Oft handelt es sich schlicht auch nur um unnötige Behandlungen, die aber nichtsdestotrotz mit Risiken und Belastungen verbunden sind und Kosten zulasten der Allgemeinheit verursachen.

Vor diesem Hintergrund mutet es geradezu haarsträubend an, wenn Vertreter der Spitäler versuchen, die Verbesserung der Qualitätsmassnahmen zu verhindern und behaupten, dass es keinen Handlungsbedarf gebe. Das Ziel dieser Verhinderungspolitik ist klar. Zulasten der Krankenversicherung sollen die Ärzte und Spitäler weiterhin schalten und walten können, wie sie wollen: Unnötige und schädliche Eingriffe sollen von der Allgemeinheit weiterhin genauso entschädigt werden müssen, als handle es sich um qualitativ einwandfreie Medizin.

Für die Patienten ist es aber unabdingbar, dass die Qualität eines Arztes oder Spitals für einen bestimmten Eingriff bekannt ist. Nur dann haben sie eine echte (Aus-)Wahl der Leistungserbringer. Ansonsten müssten sie dem Arzt blind vertrauen, was eben viel öfters ins Auge geht, als uns lieb sein könnte. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich die Familienangehörigen der Ärzte weniger operieren lassen als «Menschen wie du und ich». Wer die tatsächlichen Erfolgsaussichten und Risiken kennt, überlegt es sich zweimal.

Medizinische Qualität ist grundsätzlich immer messbar. Wenn es einem Patienten aufgrund der medizinischen Massnahme besser geht, kann dieser Effekt gemessen werden, das Gegenteil aber auch. Die Wissenschaft und die fortschrittliche Praxis zeigen uns die Vorteile der qualitätsbasierten Medizin eindrücklich. Alle Ärzte und Spitäler mit guter Qualität – und das dürften die meisten sein – haben von erhöhten Qualitätsanforderungen nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Genauso wie für unsere schweizerische Medizinaltechnik, die hochwertige Produkte anbietet, könnte dann endlich der Qualitätswettbewerb spielen. Die schwarzen Schafe unter den Ärzten und Spitälern hingegen werden mit der qualitätsbasierten Medizin immer mehr Patienten verlieren – und das ist gut so.

Fast jede Familie dürfte bereits selbst erfahren haben, dass auch in unserem Gesundheitswesen nicht alles Gold ist, was glänzt. Soll unserer Bevölkerung aber vom besten Gesundheitswesen der Welt profitieren können – und dies muss das Ziel unserer Politik sein –, muss die Qualität künftig systematisch gemessen und ausgewiesen werden. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass auch der Ständerat den eingeschlagenen Weg zielstrebig zu Ende geht – und sich weiterhin bewegt.

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Dieser Standpunkt erschien ursprünglich in der Südostschweiz vom 15. August 2018