infosantésuisse-Artikel


25.11.2019

Homöopathische Arzneimittel und deren Wirksamkeit

Frankreich distanziert sich von Globuli und Co.

Homöopathische Arzneimittel sind in der Schweiz eine Pflichtleistung und werden von der Grundversicherung übernommen. Dies, obwohl deren Wirksamkeitsnachweis immer wieder zu kontroversen Diskussionen führt. Das nahe Ausland geht andere Wege.

Die klassische Homöopathie ist eine seit über 200 Jahren bestehende, alternative Heilmethode und beruht auf dem Gedanken «Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt». Die Basis bilden tierische, pflanzliche oder mineralische Ausgangsstoffe, die in grösseren Mengen eingenommen, zu Krankheitssymptomen führen, in minimaler Dosierung jedoch zur Behandlung ähnlicher Symptome eingesetzt werden. Hergestellt werden sie durch mehrfache, gezielte Verdünnungsschritte – die sogenannte Potenzierung. Je höher die Verdünnung, umso wirksamer soll das Produkt sein.

Preise gemäss Spezialitätenliste

Im Jahr 2009 hat das Schweizer Stimmvolk eine Volksinitiative angenommen, die Bund und Kantone dazu verpflichten, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin zu sorgen. Zusammen mit anderen komplementärmedizinischen Verfahren wurde in der Folge beschlossen, die klassische Homöopathie als komplementärmedizinische ärztliche Leistung anzuerkennen, weshalb sie über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden darf (Art 4b KLV), sofern der Arzt über einen entsprechenden Fähigkeitsausweis verfügt. Auch alle ärztlich verordneten Arzneimittel, für den Patienten individuell hergestellt nach einer anerkannten homöopathischen Herstellungsvorschrift – also beispielsweise der Pharmakopöe oder des Homöopathischen Arzneibuches aus Deutschland – werden durch die OKP vergütet. Die Preise für die Präparate richten sich nach Kapitel 70.01 der Spezialitätenliste. Somit darf auch jeder Arzt diese Medikamente verschreiben. Ob die homöopathischen Arzneimittel tatsächlich wirken, wird kontrovers diskutiert. Alleine die Herstellung durch mehrfache Verdünnung und die Tatsache, dass im Endprodukt die Ausgangssubstanz als chemisches Molekül nicht mehr nachweisbar ist, lassen an einer möglichen Wirkung zweifeln. Zudem beruht der eigentliche Wirkmechanismus auf einer bis heute wissenschaftlich nicht anerkannten Theorie. Ein wissenschaftlicher Nachweis, dass homöopathische Arzneimittel wirksamer sind als ein Placebo, konnte bislang nicht erbracht werden. 

Frankreich entscheidet sich – gegen homöopathische Arzneimittel

Während die Kosten für verschriebene Homöopathika in der Schweiz als Pflichtleistung übernommen werden, steht das angrenzende Ausland diesen Arzneimitteln kritischer gegenüber. So besteht keine gesetzliche Leistungspflicht in Deutschland, einzelne Kassen dürfen aber die Kosten freiwillig übernehmen, was aufgrund der Nachfrage, trotz kritischer Stimmen, auch gemacht wird. In Frankreich werden aktuell 30 Prozent der Kosten durch die Grundversicherung übernommen. Im Juli 2019 hat sich die Gesundheitsministerin nun jedoch gegen eine Vergütung von homöopathischen Arzneimitteln ab 2021 ausgesprochen. Ihr Entscheid beruht auf einem Bericht der staatlichen Aufsichtsbehörde für Gesundheit (HAS). Diese führt unter anderem an, dass deren Wirksamkeit weder nachgewiesen sei, noch dadurch weniger Medikamente der traditionellen Medizin eingenommen würden. Dass durch den Einsatz von Homöopathika und die Vergütung der damit verbundenen ärztlichen Leistungen im Gegenzug keine Kosten auf schulmedizinischer Seite eingespart werden können, wurde unlängst in dieser Zeitschrift dargelegt (infosantésuisse 6/2018). Der Entscheid in Frankreich wurde auch hierzulande von den Medien aufgenommen – welche Auswirkungen er auf die Schweiz hat, wird sich zeigen. 

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