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29.10.2019

5. santésuisse-Novemberkongress: Wie können Reformen gelingen?

Gefragt ist mehr Effizienz – kein Leistungsabbau

santésuisse steht für Reformen ein, die die Bedürfnisse der Versicherten ins Zentrum stellen: Auch in Zukunft sollen alle Zugang zu einem qualitativ hochstehenden und bezahlbaren Gesundheitswesen haben. Dafür braucht es echte Reformen, sonst können wir uns das Gesundheitswesen schon bald nicht mehr leisten. Statt Leistungsabbau und Rationierung sollen die Behandlungen effizienter erbracht und auf Unnötiges soll verzichtet werden.

Die hohen Kosten der Gesundheitsversorgung beschäftigen die Schweizer Bevölkerung. Sie will auch noch in 20 Jahren Zugang haben zu einer qualitativ hochstehenden und bezahlbaren medizinischen Versorgung. Allerdings haben die letzten Jahre gezeigt, dass tiefgreifende Reformen einen schweren Stand haben. Mit der Frage, wie die notwendigen Reformen dennoch gelingen können, beschäftigte sich der 5. santésuisse-Novemberkongress.

Versicherte wollen bestmögliche und bezahlbare Leistungen

Der Politikwissenschafter Claude Longchamp kam in seiner Analyse zum Schluss, dass gesundheitspolitische Reformen dann Unterstützung von den Versicherten erhalten, wenn sie nicht den Abbau von Leistungen zum Ziel haben. Vielmehr ist eine hohe Qualität bei gleichzeitig erhöhter Effizienz bei der Behandlung der Patientinnen und Patienten gefragt. Am Beispiel des elektronischen Patientendossiers zeigte Dr. Rainer Thiel, Geschäftsführer der empirica Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung in Bonn auf, wie die Umsetzung solcher Vorhaben auf Schwierigkeiten stösst. Gemäss einer internationalen Studie hinkt das schweizerische Gesundheitssystem bei der Digitalisierung hinterher, insbesondere auch mit der Einführung des elektronischen Patientendossiers. Er forderte die Akteure auf, die Digitalisierung als Chance zu verstehen. Sie ermögliche es, Fehlanreize zu korrigieren, die zu Leistungsausweitungen oder ineffizienten Angebotsstrukturen führen. Prof. Dr. Beatrix Eugster von der Universität St. Gallen legte anhand von Studiendaten dar, wie Fehlanreize zu unnötigen Behandlungen und höheren Kosten führen. Sie mahnte bei der Politik an, die Rahmenbedingungen derart anzupassen, dass Leistungserbringer, Versicherer und Patientinnen und Patienten gleichermassen an tieferen Kosten interessiert sind.

Transparente Qualität, koordinierte Versorgung, günstige Medikamente

Handeln können die Akteure bereits heute. Kurzfristig umsetzbare Massnahmen zur Kostendämpfung und Effizienzsteigerung liegen auf dem Tisch. Das Parlament hat unlängst die Weichen gestellt, damit bald auch im ambulanten Arzt- und Spitalbereich die Qualität gemessen und transparent aufgezeigt werden muss. santésuisse fordert einen echten Qualitätswettbewerb, von dem die Patientinnen und Patienten in Form von weniger unnötigen oder unwirksamen Behandlungen profitieren. In der Versorgungsplanung müssen die Kantone endlich ihre Angebote koordinieren statt eine kostentreibende Überversorgung zu bewirken. Bei den Medikamenten muss sich das Kostengünstigkeitsprinzip durchsetzen – bei gleicher Wirkung wird nur noch das günstigste Produkt von der Krankenversicherung bezahlt. Schliesslich sind auch die Krankenversicherer gefordert, noch effizienter zu werden und weitere innovative Versorgungsmodelle zu entwickeln.