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04.09.2019

Kantonale Operationslisten und was sie bewirken

Kein eindeutiges Ergebnis

santésuisse hat die Kostenentwicklung der Kantone mit und ohne Liste für ambulant durchzuführende Eingriffe verglichen. Der Kosteneinspareffekt ist derzeit noch gering.

Viele Kantone haben eine eingeführt, dann hat der Bundesrat nachgezogen: Seit Anfang Jahr gilt der neue Anhang zur Krankenpflegeleistungsverordnung (KLV) mit einer Liste von grundsätzlich ambulant durchzuführenden elektiven Eingriffen.

Was hats gebracht?

Die Erwartungen an diese Listen sind hoch. Mit Eingriffen, die vermehrt ambulant statt stationär durchgeführt werden, sollen Behandlungskosten eingespart werden. Dies, weil Operationen im ambulanten Setting in der Regel kostengünstiger sind. So die Verfechter der Listen. Ist dem so? Findet die angestrebte Verlagerung in den ambulanten Bereich tatsächlich statt und mit welchen Folgen für die Kostenträger? Einige kantonale Listen sind bereits seit Mitte 2017 oder Anfang 2018 in Kraft. Die Verlagerung und die Kostenfolgen müssten demnach bereits im ersten Halbjahr 2018 spürbar sein.

Die ersten Hochrechnungen

santésuisse hat sich dieser Fragestellung angenommen und die Entwicklung der Behandlungen (Anzahl Fälle) und Bruttoleistungen der Kantone mit und ohne Operationslisten verglichen (siehe Tabelle). Dies auf der Basis der aktuellsten Leistungsdaten, die derzeit zur Verfügung stehen. Dazu wurden die Behandlungen der ersten Halbjahre 2017 und 2018 um die alljährlich entstehende Rechnungsverzögerung bereinigt und auf das ganze Jahr  hochgerechnet. Um es gleich vorwegzunehmen: Eindeutig ist das Ergebnis nicht. In den Kantonen mit Liste ist zwar im Schnitt insgesamt ein leicht stärkerer Rückgang der stationären Behandlungen beobachtbar, verglichen mit denjenigen, die auf diese Vorgabe verzichten. Eine genauere Betrachtung der einzelnen Kantone zeigt aber, dass sich die Entwicklung der «Listenkantone» stark unterscheidet und teilweise nicht den Erwartungen entspricht. So haben sich die Behandlungen im Kanton Zürich um 2,3 Prozent reduziert, was auf eine Verlagerung hindeutet. Im Kanton Luzern ist der Rückgang mit 1,2 Prozent hingegen deutlich geringer und im Kanton Wallis ist gar eine Zunahme von 1,5 Prozent zu verzeichnen. Im Kanton Bern, der keine Liste eingeführt hat, ist  der Rückgang mit 2,7 Prozent stärker als im Kanton Zürich. Dasselbe gilt für den Kanton Basel-Stadt – welcher erst nach der Untersuchungsperiode eine  Liste eingeführt hat – sowie den Kanton Genf. Ein eindeutiger Verlagerungseffekt ist daher nicht sichtbar.

Operationslisten

Kein eindeutiger Einspareffekt

Auch auf der Leistungsseite ist kein eindeutiger Spareffekt auszumachen. In den Kantonen mit Liste ist das Wachstum der gesamten Bruttoleistungen in der Akutsomatik, also sowohl von Kantonen und Krankenversicherern finanziert, etwas geringer als in Kantonen ohne Liste. Dies würde darauf hinweisen, dass durch die Verlagerung in den ambulanten Bereich Kosten eingespart werden. Insgesamt ist aber der in den Kostendaten zu beobachtende Einspareffekt derart gering – und die Unterschiede zwischen den Kantonen sind derart gross – dass nicht von einem Spareffekt aufgrund der Verlagerung ambulant vor stationär gesprochen werden kann.

 

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