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15.04.2019

Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Gesundheitskosten

Kostentreiber Alterung? Eher nicht

Die Schweiz altert, mit folgeschweren Auswirkungen auf unsere Gesundheitskosten – könnte man meinen. Wie stark schlägt der demografische Wandel tatsächlich zu Buche? santésuisse hat ihn quantifiziert. Mit erstaunlichem Ergebnis.

Nimmt der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zu, spricht man von einer alternden Gesellschaft. Auch die Schweiz altert: Einerseits steigt die Lebenserwartung stetig, andererseits gibt es eine Umschichtung in der Alterspyramide. Während geburtenstarke Jahrgänge ins Pensionsalter übergehen, werden immer weniger Kinder geboren. Eine solche Alterung ist in allen vergleichbaren westlichen Ländern zu beobachten und meist eine Folge günstiger gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Entwicklungen. In der Regel gilt, je älter eine Person ist, desto höher sind deren  Gesundheitsausgaben. Und, erhöht sich der Anteil älterer Personen, steigen die Durchschnittskosten pro Kopf. Dabei handelt es sich um eine natürliche gesellschaftliche Entwicklung. Für eine möglichst realitätsnahe Beurteilung der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ist es wichtig, den Alterungseffekt zu quantifizieren. santésuisse hat dies getan, basierend auf der Statistik zum Risikoausgleich, geführt von der «Gemeinsamen Einrichtung KVG». Verglichen wurde die tatsächliche Kostenentwicklung mit einer hypothetischen Kostenentwicklung ohne Veränderung der Altersstruktur. Wobei das Bevölkerungswachstum bei der hier getätigten Betrachtung keine Rolle spielt, weil die Kosten jeweils pro Kopf berechnet worden sind.*

20 Prozent altersbedingte Kosten

Das Ergebnis ist bemerkenswert. Die Gesundheitskosten in der Schweiz sind zwischen 2012 und 2017 pro Kopf um 572 Franken angestiegen, von 3138 Franken auf 3710 Franken. Jedoch können nur gerade 20 Prozent dieser Mehrkosten mit der Alterung der Gesellschaft erklärt werden. Die restlichen 80 Prozent sind auf andere Faktoren – um nicht zu sagen Fehlentwicklungen – zurückzuführen. Zu nennen sind beispielsweise die Mengenausweitung bei den ambulanten Spital- und Arztleistungen, die hohen Preise neuer Medikamente und die nur unregelmässig durchgeführte Preisüberprüfung bestehender Arzneimittel. Die Grafik zeigt, dass das «natürliche» Kostenwachstum, nämlich die Alterung der Gesellschaft, nur einen Fünftel des Kostenanstiegs der letzten fünf Jahre erklärt. Was im Sinne der langfristigen Finanzierbarkeit unseres Gesundheitssystems die Dringlichkeit vor Augen führt, die Fehlentwicklungen zu identifizieren und zu bekämpfen.

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