infosantésuisse-Artikel


17.12.2020

Editorial

Sicherheit statt finanzielle Experimente in der Krise

Das Gesundheitswesen der Schweiz steht vor einer echten Bewährungsprobe: Der lange ersehnte Impfstoff gegen das Corona-Virus ist greifbar nah, der Schweiz steht ein gross angelegtes nationales Impfprogramm bevor. 13 Millionen Einzeldosen hat der Bund bereits reserviert. Diese Menge wird ausreichen, um einen grossen Teil der Bevölkerung zu versorgen. Selbstverständlich werden die Krankenversicherer ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Die notwendigen Mittel stehen den Krankenversicherern zur Verfügung, weil sie auf ein solides finanzielles Fundament zählen können. Gerade jetzt während der Pandemie bringen ihre Reserven Stabilität, Verlässlichkeit – und sorgen dafür, dass die Krankenversicherungsprämien für das kommende Jahr wegen Corona nicht erhöht werden müssen.

Dass die Vorlage des Bundesrates, mitten in dieser unsicheren Zeit, einen Abbau der Reserven auf das gesetzliche Minimum vorsieht, ist für santésuisse unverständlich und fahrlässig. Mit diesen Plänen wird ein gefährlicher Jo-Jo-Effekt bei der Prämienentwicklung in Kauf genommen. Solche Effekte haben die Prämienzahler in der Vergangenheit immer wieder schmerzhaft erleben müssen.

Wir tun gut daran, eine solche Entwicklung kein weiteres Mal ohne
Not zu provozieren. Statt finanzielle Experimente einzugehen, muss das Wohl der Prämienzahler jetzt noch stärker in den Mittelpunkt rücken – nicht nur finanziell. Wichtig ist, dass die Bevölkerung nun rasch und unkompliziert Zugang zu Corona-Impfungen erhält. Dafür braucht es keinen Reserven-Abbau zur Unzeit, sondern ein nationales Impfprogramm, das von Bund, Kantonen und Krankenversicherern partnerschaftlich getragen und unbürokratisch umgesetzt wird.

Verena Nold, Direktorin santésuisse

Ansprechpartner