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30.08.2019

Standpunkt: Ärgernis «steigende Krankenkassenprämien»

Standpunkt von Heinz Brand im Bündner Tagblatt vom 30. August 2019

Wie alle ärgere auch ich mich jeden Herbst über die steigenden Krankenkassenprämien. Und auch dieses Jahr wird Bundesrat Berset Ende September wieder höhere Prämien bekannt geben müssen. Viele fragen sich mit immer grösserer Sorge, was gegen diese unliebsame Entwicklung getan werden kann.

Natürlich ist in erster Linie die Politik gefordert, endlich griffigere Massnahmen gegen diese Kostenentwicklung zu beschliessen. Aber auch jeder Prämienzahler hat es in der Hand, bei sich für tiefere Prämien zu sorgen. Prämienvergleichsdienste monieren nämlich jedes Jahr, dass viele Versicherte zu hohe Prämien bezahlen. Auch wenn es kein Patentrezept gegen höhere Krankenkassenprämien gibt, bieten folgende fünf Massnahmen dennoch einen Weg zu tieferen Prämien:

Unfall ausschliessen, höchste Franchise wählen: Wer mindestens acht Arbeitsstunden pro Woche angestellt ist, kann die Unfallversicherung ausschliessen. Die Prämie ist damit rund 20 Franken billiger pro Monat. In der Regel lohnt es sich auch, die höchste Franchise von 2500 Franken zu wählen. Auf ihr dürfen die Krankenversicherer bis zu 1540 Franken Rabatt pro Jahr geben. In zehn Jahren können sich diese Rabatte auf rund vier Jahresprämien gegenüber dem Standardmodell summieren. Wer aber weiss, dass viele teure medizinische Behandlungen anstehen, der wählt am besten das «Standardmodell» mit der tiefsten Franchise von 300 Franken.

Hausarzt-, HMO-Modell oder Telmed wählen: Zusätzlich kann gut und gerne 500 Franken pro Jahr gespart werden, wenn man sich verpflichtet, immer zuerst seinen Hausarzt oder eine sogenannte HMO-Praxis aufzusuchen. Dies ist deshalb sinnvoll, weil wir dort als Patient bereits bekannt sind, womit gezielter, insbesondere auch ohne überflüssige Analysen und Massnahmen behandelt werden kann. Auch mit Telmed und ähnlichen Modellen lässt sich bei Versicherern, die dies anbieten, gutes Geld von einigen Hundert Franken pro Jahr sparen. Bei jedem neuen medizinischen Problem müssen wir uns in diesem Falle bei der zuständigen telefonischen Beratungsstelle melden, bevor wir den Arzt besuchen können.

Bonusversicherung für mehrere Jahre ohne Leistungsbezug: Wer sicher ist, mehrere Jahre keine Leistungen durch die Grundversicherung beziehen zu müssen, kann eine Bonusversicherung wählen. Pro «bezugsfreie Jahre» wächst der Bonus etappenweise bis beispielsweise auf 45 Prozent; wobei das erste Jahr leicht teurer sein kann.

Als Patient kritisch bleiben: 20 Prozent aller Behandlungen sind überflüssig, ohne Mehrwert für die Patienten, aber mit finanziellen und anderen Belastungen verbunden. Weil neben den Prämien auch Kostenbeteiligung anfällt – 10 Prozent bis zum maximalen Selbstbehalt – spare ich als Patient direkt, wenn ich überflüssige Behandlungen aktiv verhindere. Und indirekt profitiere ich auch als Prämienzahler, weil die Prämien den Kosten folgen: Tiefere Kosten bedeuten tiefere Prämien!

Geeignete Krankenkasse wählen: Alle Krankenkassen müssen dieselben medizinischen Massnahmen bezahlen. Punkto Philosophie (Service), Versicherungsmodelle und Prämien ergeben sich aber durchaus Unterschiede.

Finanziell am günstigsten und gesundheitlich am besten ist aber immer noch eine gesunde Lebensweise! Damit und mit der Wahl eines geeigneten Versicherungsmodells kann jeder selbst einen Beitrag zur Reduktion seines Ärgers über die hohen Krankenkassenprämien leisten. Man muss es einfach tun!

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