Brennpunkt-Artikel


05.09.2019

Immer neue Begehrlichkeiten zu Lasten der Prämienzahler

Teure Sonderwünsche

Die Liste neuer und teurer Begehrlichkeiten im Gesundheitswesen wächst dauernd. Es droht ein zusätzlicher Kostenschub in Milliardenhöhe. Im Sinne der Prämienzahler fordert santésuisse, haushälterisch mit den Mitteln umzugehen. Werden die teuren Sonderwünsche erfüllt, ist die Krankenversicherung bald nicht mehr bezahlbar. Die Folge wären Rationierung und Zweiklassenmedizin. santésuisse steht jedoch ein für das Solidaritätsprinzip in der Krankenversicherung.

In der SRF-Samstagsrundschau vom 10. August 2019 betonte santésuisse-Präsident Heinz Brand, dass der medizinische Fortschritt den Patientinnen und Patienten auch in Zukunft zugänglich gemacht werden müsse – ohne dabei das soziale Versicherungssystem an die Wand zu fahren. Ansonsten drohe eine Zweiklassenmedizin. Der gleichwertige Zugang aller Versicherten zu den Gesundheitsleistungen ist eine wichtige Errungenschaft unseres Gesundheitswesens zur Vermeidung einer Zweiklassenmedizin. Damit das so bleibt, müssen die Prämien für die Versicherten bezahlbar bleiben. Aufgrund von teuren Sonderwünschen drohen mittelfristig Mehrkosten von bis zu 10 Milliarden Franken – pro Jahr notabene.

Sonderwünsche ohne Ende: Pflege, Ärztetarife, Medikamente, Kinderspitäler, Psychologen, Dolmetscher, etc.

Mit der Pflegeinitiative sollen die Pflegefachpersonen bessergestellt werden – obwohl die Schweizer Pflege im europäischen Vergleich schon heute gut dasteht. Mit der Anzahl der Pflegenden pro tausend Einwohner nimmt die Schweiz in Europa einen Spitzenplatz ein. Zudem bewegen sich die Löhne in der  Pflege im schweizerischen Durchschnitt. santésuisse schätzt die Zusatzkosten der Pflegeinitiative mittels realistischer Szenarien auf bis zu fünf Milliarden  Franken. Bei den ambulanten Leistungen ergeben sich, sofern der neue Ärztetarif Tardoc tatsächlich eingeführt wird und je nach Variante, ebenfalls deutlich höhere Kosten von zwei bis drei Milliarden Franken jährlich. Mit neuen teuren Medikamenten verspricht die Pharmaindustrie die Heilung seltener  Krankheiten und fordert dafür immer höhere Preise, die fernab jeder realistischen Kostenbasis liegen. Schon in fünf Jahren könnten mit diesen  Medikamenten Zusatzkosten von einer Milliarde Franken jährlich entstehen. Weitere Zusatzkosten drohen durch höhere Ärztetarife in einzelnen Kantonen,  bei den Kinderspitälern, den Psychologen oder den Dolmetschern.

Reformen sind dringend nötig

santésuisse erarbeitet derzeit in Zusammenarbeit mit dem  Verband der chirurgisch und invasiv tätigen Ärzte FMCH einen auf Pauschalen basierenden Tarifvorschlag. Dieser soll das Einkommen nicht mehr an den  Zeitaufwand binden, sondern auf die erbrachte Leistung abstellen. Dadurch sollen die Akumulation von Einzelleistungen nach Gutdünken verhindert und die Qualität verbessert werden. Verbesserungen erhofft sich santésuisse auch von der im Frühling vom Parlament verabschiedeten Qualitätsvorlage. Dank ihr  werden Leistungen endlich messbar und unterscheidbar. Ziel muss sein, dass sukzessive nur noch wirksame Behandlungen zugelassen sind und vergütet  werden. santésuisse wird zudem weiterhin gegen die zu hohen Medikamentenpreise vorgehen und sich dafür einsetzen, die unnötigen Kosten der Über und Fehlversorgung zu eliminieren.

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